Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1934)
- Article
- [Nachricht] / A. T.
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 98 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379916-2379919--17075-2400384- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
von Baugenossenschaften handelt es sich, zwar um anKiers geartete Erscheinungen, doch gibt es auch hier der Schwierigkeiten genug. Nicht minder kompliziert ist die Frage von Lohnarbeit in den gewerblichen Produktivgenossenschaften, deren Zahl und Größe in den letzten Jahren ebenfalls beträchtlich gestiegen ist (es gibt heute 70 Genossenschaften mit ca. 1600 Arbeitern), obzwar sie im Vergleich mit dem schnellen Wachstum der privaten Industrie keine besondere Rolle spielen und bloß 3,5 o/o der Gesamtzahl der im Handwerk und in der Industrie konzentrierten Arbeiter ausmachen. Immerhin ist auch hier die Zahl der Lohnarbeiter eine ziemlich beträchtliche (42 o/o der Gesamtzahl der Beschäftigten, 73 o/o im Vergleich mit der Zahl der Mitglieder der Genossenschaften) und auch hier tritt die soziale Problematik ziemlich scharf zu Tage, umsomehr, als die Löhne der Lohnarbeiter im allgemeinen viel geringer sind als diejenigen der Mitglieder. So verdient von den ÄJitgliedern der Genossenschaften die überwiegende Mehrheit (66,3o/o) 9—10 Pfund monatlich, indes bei den Lohnarbeitern diese Lohngruppe am schwächsten (11,2o/o) vertreten ist und umgekehrt Ist in der niedrigsten Lohngruppe (5—6 Pfund monatlich) der Anteil von Lohnarbeitern am größten (29,6o/o) und derjenige von Mitgliedern der Genossenschaften am geringsten (1,3o/o) und wenn man es auch in Betracht zieht, daß es unter den Lohnarbeitern so manche Lehrlinge gibt, deren naturgemäß geringe Verdienste das allgemeine Lohnniveau herabdrücken, so bleibt doch die Differenz eine überaus große und es ist nicht ausgeschlossen, daß sich auch hier trotz der strengen Kontrolle seitens der leitenden Organe der Histadruth dieselben sozialen Verfallserscheinungen ein»« stellen werden, die im klassischen Werk von Oppenheimer als charakteristisch für die gewerbliche Produktivgenossenschaft bezeichnet worden sind. Ein spezielles Problem stellt in diesem Zusammenhang das genossenschaftliche Transportwesen dar, der einzige Zweig des gewerblichen Produktivgenosisenschaftswesens, der in den letzten Jahren zu einer großen Entwicklung gelangt ist und heute mit seinen 21 Genossenschaften und 846 Arbeitern (darunter 124 Lohnarbeiter) dieses Arbeitsgebiet im Lande beherrscht. Hier ist es allerdings nicht so sehr das Problem der Lohnarbeit, die darin keine bedeutende Rolle spielt (cföe Lohnarbeiter machen kaum 15o/o der Gesamtarbeiterzahl aus), wie dasjenige der Genossenschaftsanteile, deren Wert im Zusammenhang mit der günstigen Entwicklung der Genossenschaften (zum Teil freilich auch infolge der bedeutenden Investitionen) letztens gewaltig gestiegen ist (ein Anteil kostet heute 400—600 Pfund), was den eigentlichen Arbeitern den Eintritt in die Genossenschaft verschließt und den sozialen Charakter derselben zu ändern geeignet ist. Verlassen wir das Gebiet der Lohnarbeit mit ihren verschiedensten Nebenfragen, so öffnet sich vor uns eine weitere, ebenfalls im engsten Zusammenhang mit der Entwicklung der letzten Zeit stehende Problematik auf dem Gebiete des städtischen Siedlungswerkes der Arbeiterschaft. (Siehe darüber auch den Artikel von L. Kaufmann in dieser Nummer. — Die Red.) Der Gedanke von Wohnbauten für die Arbeiter ist allerdings kein neuer. Bereits im Jahre 1921 ist das erste Arbeiterviertel, die „Schchunatji Borochow" bei Tel-Aviv begründet worden. Doch war die Entwicklung dieser Bewegung in den früheren Jahren eine überaus langsame. Einerseits spitzte sich (von der vorübergehenden Konjunkturperiode der Jahre 1925—1926 abgesehen) die Wohnungsfrage für die Arbeiterschaft in den Städten nicht besonders zu, andererseits