Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1934)
- Article
- [Nachricht] / A. T.
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 100 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2379786-2379916-2379919--17077-2400386- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Privateigentums aufgebaut worden ist (von der halben Million Pfund, die darin bisher investiert worden ist, ist die Hälfte von den Arbeitern selbst aus ihren privaten Mitteln mobilisiert worden) nicht dazu beitragen würde, den Arbeiter seinem eigentlichen Klassenmilieu zu entfremden Und in ihm kleinbürgerliche Regungen zu wecken. Von diesem Gesichtspunkt aus bedeutet ja das ganze Siedlungswerk eine Gefahr und es wird die Tenldenz verständlich, es überhaupt mit dem Prinzip von Einzelarbeiterhäusern zu brechen und lediglich gemeinsame Häuser für mehrere Arbeiterfamilien zu errichten. Berührt bereits diese Frage die ideologischen Grundfesten der jüdischen Arbeiterbewegung in Palästina, so gibt es viele andere Probleme, die derselben Quelle entspringen und gegenwärtig ebenfalls mit aller Schärfe zu Tage treteni Die Arbeiterschaft kämpft für neue Lebens- und Wirtschaftsformen, sie hat dieselben zum Teil bereits verwirklicht, insbesondere aofern es sich um den immer größeren Sektor handelt, in dem sie mit der privaten Wirtschaft nur wenig in Berührung kommt und frei nach eigenem Ermessen schalten kam> Als ein eklatantes Beispiel sei die Frage der Entlohnung der großen Scharen von Beamten und Arbeitern erwähnt, die direkt von der Histadruth beschäftigt werden. Ifier wurden von allem Anfang an das Prinzip der Entlohnung nach den Fachqualifikationen fallen gelassen und an dessen Stelle das Familienprinzip und das Prinzip der Dienst jähre aufgestellt. Je länger der Arbeiter und der Beamte arbeitet und je größer seine Familie ist, desto größer sein Gehalt. Von verschiedensten Seiten wird letztens dieses Prinzip heftig bekämpft und es wird auf die daraus erwachsende geringe Konkurrenzfähigkeit mit der privaten Wirtschaft hingewiesen und doch hat sich die Histadruth nicht dazu bewegen lassen, diese soziale Errungenschaft abzuschaffen oder sie in irgend welchem Maße zu schwächen. So wird uns denn die schwere Problematik verstandlich, die gerade die Periode der Konjunktur für die jüdische Arbeiterbewegung in Palästina mit sich gebracht hat. Mit viel Mühe wird um eine Lösung dieser Fragen gekämpft, die zumeist auch als Schicksalsfragen der Bewegung bezeichnet werden können. Wiederum ist die Parole des Pionierdienstes zur Eroberung bezw. zur Wahrung der Arbeiterpositionen in den Kolonien und im öffentlichen Dienst aufgetaucht. Mit der ganzen Unerbittlichkeit werden die sozialen Mißstände ans Licht gezogen, obzwar sie im Gesamtkomplex des Lebens der Histadruth keine besondere Rolle spielen (beträgt ja z. B. die Zahl der durch die Mitglieder der Histadruth beschäftigten Arbeiter kaum wenige Hundert) und die Mittel zu deren Bekämpfung erörtert. So ist auch von Neuem der Gedanke aufgetaucht, die Histadruth (in der juristischen Form der Chewrat Ovdim) zur alleinigen Eigentümerin des GeSsamtvermögens der Genossensehaften, sowie der Arbeiter- Siedlungen zu machen und damit auf eine großzügige Weise den sozialen Gefahren vorzubeugen. Die vor wenigen Tagen zu Ende gegangene zweite Session der (vierten) Konferenz der Histadruth war fast ganz der Erörterung dieser Fragen gewidmet und hat so manche Richtlinien für die weitere Wirtschafts- und Sozialpolitik der Histadruth präzisiert, die der gegenwärtigen Konjunkturperiode entsprechen sollen. So wird denn im schweren Kampf mit den Schattenseiten der wirtschaftlichen Expansion der Weg in die Zukunft gebahnt, die den Grundideen der palästinensischen Arbeiterbewegung entsprechen soll. 100