Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1934)
- Article
- Zum jüdisch-arabischen Problem
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 70 (sequence 6)
- Language
- German
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- Aleppo 1× ep/1047811
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Reiz aus. Die Gestaltung der letzten Unruhen in Palästina ist wahrscheinlich auf ihr Drängen und auf ihre Organisationskunst zurückzuführen. Obwohl diese Gruppe bei Durchschnittszionisten für eine hoffnungslos „radikale" gilt, mit der man sich unter keinen Umständen an einen gemeinsamen Tisch sJetzen kann, ist sie eigentlich die einzige, die als Kontrahent einer jüdisch-arabischen Verständigung auf arabischer Seite in Frage käme. Die politischen Bestrebungen dieser Gruppe gehen über die Grenzen Palästinas hinaus. Zum Unterschied zum Mufti-Kreis ist ihr Ziel ausgesprochen Staats politisch. Sie erstrebt einen großen föderativen arabischen Staat, der Irak, Syrien, Transjordanien und Palästina umfassen soll. Wenn sich auch in diesem Kreis manchmal allerlei politische Schwärmereien über ein Reich vom Nil bis Mossul und von Aden bis Aleppo bemerkbar machen, so1 ist doch das realpolitische Ziel dieser arabischen Unahhängigkeitspairtei durch die offensichtlichen Tatsachen beschränkt* daß die ägyptische Nation sich aus der arabischen Welt herausentwickelt hat und die Halbinsel Arabien für eine Verbindung mit den Küstenländern auf lange Sicht nicht in Frage kommt. Die Istaklal-Partei ist wohl der Anfang einer unabhängigen arabischen Politik. Weder ihr Ziel. — ein selbständiger föderativer arabischer Staat, — noch ihre Taktik sind organisch mit irgendeinem bestimmten europäischen Staat verbunden. Sie ist ein Kern, aus dem noch manche, auch für die Begründer selbst, unerwartete Frucht reifen wird. Ist das Ziel der arabischen Unabhängigkeitsbewegung mit unseren zionistischen Bestrebungen zu vereinbaren? Vom Standpunkt des Wünschenswerten gesehen, könnte ein jüdisches Palästina innerhalb einer großen arabischen Föderation auch unser Ziel werden. Es ist. wahrscheinlich, das letzte Ziel jeder ernsten zionistischen Außenpolitik. Sowohl wirtschaftliche, als auch politische und strategische Motive sprechen dafür. Wirtschaftlieh gesehen, braucht das jüdische Palästina, insbesondere die aufkommende jüdische Industrie, einen Markt für ihre Produkte. Als Markt kann naturgemäß das kleine Palästina nicht genügen. Die europäischen Länder kommen für unsere Industrieprodukte aus allzu verständlichen Gründen kaum in Frage. Die wichtigste Hoffnung ist der benachbarte, zu neuem wirtschaftlichen Leben erwachende Orient. Das palästinensisch ^syrische Zollabkommen, das einer Zollunion ähnlich ist, ist ein großer Segen für das Land. Die Erweiterung» dieser Zollunion auf den Irak und ihre Sicherumg dujrch eine politische Eanheiti ist für die Weiterentwicklung einer jüdischen Industrie auf lange Sicht unerläßlich. Politisch gesehen, kann wahrscheinlich nur eine jüdisch-arabische Föderation das psychologisch so heikle Problem von Mehrheits- und Minderheitsvolk in Palästina einer tragbaren Lösung näherbringen. Das Einbeziehen Palästinas in einen großen föderativen Staatenbund, in dem die Araber auf lange Sicht dia Mehrheit haben werden, wird es dem arabischen Nationalismus und dem palästinensischen Araber innerlich und politisch ermöglichen, sich mit einer Minderheitsstellung innerhalb Palästinas, die die notwendige Folge des jüdischen Nationalheims sein muß» abzufinden. Die , organisqh-föderative Verbindung Palästinas in wirtschaftlicher als auch in politischer Hinsicht mit einer großen arabischen Föderation, wird die palästinensischen 'Araber nicht nur ethisch» sondern auch machtpolitisch von irgendeiner eventuellen Zurücksetzung von Seiten einer jüdischen Mehrheit sichern. Wie schon manche Anzeichen besagen,