Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1934)
- Article
- Zum jüdisch-arabischen Problem
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
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Für diese Kreise ist die Familie Naschasehibi repräsentativ. Viele Beamte, Effendis, Intelligenzler, Hausbesitzer geboren dazu. Aus unserer politischen Naivität heraus haben wir diese Kreise bei verschiedenen Gelegenheiten — zum Beispiel bei den Stadtgemeindewahlen 1926 — unterstützt. Für eine ernste jüdische Politik ist diese Schicht stchon deshalb nicht wesentlich, weil sie im großen ganzen nichts weiter als ein Werkzeug der englischen Verwaltung darstellt und für eine unabhängige »ichtbritisdhe Politik organisch unfähig ist. 2. Viel ernster ist der Kreis um den Mufti Emin AI Husaejni. Seine Bestrebungen sind nicht ohne welthistorischen Reiz. Er will aus Jerusalem, gegen Mekka und Medina, das Zentrum der islamitischen Welt gestalten. Als Endziel seiner Politik schwebt ihm wohl die Errichtung eines kräftigen Kalifats in Jerusalem vor. Die Richtung dieses politischen Machtstrebens geht in erster Linie nicht auf eine staatliche Vereinigung aller Moslim — er findet sich zum Beispiel mit der Rolle, die die Moslim als Minderheitselement in der britischen Politik in Indien spielen, sehr gut ab. Aus diesem Gesichtspunkt ist ein kräftiger und einheitlich geführter arabischer föderativer Staat, der auf weltlicher Grundlage gebildet werden und dem Vorbild Mustafa Kemals in der Türkei folgen kann, nicht besonders , erwünscht. Obwohl diese Richtung keinesfalls nur als Werkzeug einer britischen Politik angesjeheu werden darf, hat sie viel mehr Anknüpfungspunkte an britische Richtlinien, als man im allgemeinen denkt. Die Errichtung eines kirchenpolitischen islamischen Zentrums in einer britischen Provinz liegt auf der Ebene bestimmter englisch-imperialistischer Vorstellungen. — England wäre nicht abgeneigt, die politische Energie der jungen arabischen Generation, die au| das Ziel einer staatlichen Emanzipation gerichtet ist, auf diese Verstellungswelt abzulenken. Die Ernennung Emin el Hussejnis durch den High Commissioner zum Großmufti von Jerusalem (1922) gegen die Meinung des damaligen moslemischen Rates, dürfte wohl kein Zufall sein. Die Zulassung, die Zusammensetzung und die politische Tendenz der moslemisichen ,,Welt"- Konferenz in Jerusalem vor zwei Jahren kann diese Annahme nur verstärken*. Ein Bündnis mit diesem Kreis ist sowohl für uns Zionisten als auch für den Partner nicht denkbar, weil die angebliche Verteidigung der islamischen Heiligtümer in Jerusalem vor der Judengefahr die Grundlage der religionapolitischen Propaganda des Mufti in allen Ländetrn des Orients bildet. Der Mufti von Jerusalem ist durch die Unruhen von 1929 groß und bekannt geworden (die zionistische Presse hat an der Verbreitung seinies Ruhmes nicht wenig mitgearbeitet). Der Großmufti braucht wohl für seine Pläne eine bestimmte — sehr beschränkte — jüdische Einwanderung (auch sonst hat er manche Berührungspunkte mit der britischen Politik), aber er braucht sie als eine ständige Bestätigung seines Arguments^ daß die Heiligtümer des Islams ununterbrochen durch eine jüdische Invasion bedroht werden, und daß nur durch einen Zusammenschluß der moslemischen Welt um Jerusalem dieser Gefahr zu begegnen sei. 3. Die zukunftsreichste Strömung unter den heutigen palästinensischen Arabern ist wohl die Istaklal-Gruppe (als ihre Vertreter sind im Ausland besonders Auni-Abdul-Chadi und Hamdi el Hussejni bekannt). Wenn diese Gruppe auch vorläufig unter der älteren arabischen Generation zahlenmäßig nicht stark vertreten ist; übt sie auf die jüngere Schicht doch einen starken