Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1934)
- Article
- Zum jüdisch-arabischen Problem
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
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sie so wichtige Land von einer selbstbewußten, europäisch organisierten — und nach britischem Gefühl — mit englischen Weltpolitikzielen innerlich so wenig verbundenen Bevölkerung, wie die Juden es sind, maßgebend bestimmt wird. Die englische Politik in Palästina ist auf der jüdisch-arabischen Spannung aufgebaut. Diese Politik hat sich bis jetzt, vom britischen Standpunkt aus gesehen, glänzend bewährt, wenn auch diese oder jene Einzelheiten der Spannung für sie höchst unangenehm waren. Nach der 3. Ali ja kamen die Unruhen vom Mai 1921, mit dem Beginn der 5. Alija die vom August 1929. Als die heutige Alija die Judenzahl in Palästina um fast 40.000 vergrößerte, und als in der Mandatskommission in Genf die Frage der Erschließung Transjordaniens für die jüdische Kolonisation aufgeworfen wurde;, antwortete der britische Vertreter in Genf, daß die übermäßige Judeneinwanderung die Araber beunruhigen müsse, und wenige Wochen nachher sekundierte ihm der High Commissioner in einer Rede in Nablus mit dem Hinweis, daß auch bei ihm manche Erscheinungen der jüdischen Einwanderung Besorgnis erregen. Wie wir wissen, es brachen kurze Zeit darauf die Unruhen vom November 1933 aus. Es ist nicht ohne Reiz, daß trotz der arabischen Opfer, die in diesen Tagen in den Straßen Jaffas gefallen sind, arabische Notabein dem High Commissioner Wauchope gegenüber erklärten, daß sie zu ihm ihr Vertrauen nicht verloren haben____ Die 15-jährige Praxis der Engländer in Palästina ist uns zu gut bekannt, um uns irgendwelchen Illusionen in bezug auf die Triebf eder der jüdisch-arabischen Spannung hinzugeben, und auf englische Hilfe für jüdisch-arabische Verständigung zu hoffen. Die >,vorsichtige" Stellung der britischen Verwaltung zu der Annäherung jüdischer und arabischer Arbeiter, das hartnäckige Verschweigen der positiven Bedeutung der jüdischen Einwanderung für die arabische Bevölkerung in offiziellen Kundgebungen, die Hineinnahme von antijüdischen arabischen Notabein in feste und einflußreiche Beamtenpositionen, das alles und manches andere spricht täglich eine zu klare Sprache zu uns. Die Bemühung um den arabischen Faktor. Zweifellos auch im Falle einer zufriedenstellenden Lage der jüdisch-englischen Beziehungen würde das Pnoblem unserer Haltung den Arabern gegenüber von immer größerer Bedeutung sein. Gerade das Wachstum des Jischuw, unser Bedürfnis nach Erweiterung der Kolonisatiofnsbasis, unsere Sorge um Märkte für die jüdische Industrie und nicht zuletzt die historische Notwendigkeit mit dem zur politischen Selbständigkeit erwachenden arabischen Volk einen Modus vivendi zu finden, müßten — auch bei normalen englischjüdischen Beziehungen — im Laufe der Zeit das arabische Problem in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit stellen. Bei normaleren englisch-jüdischen Beziehungen könnten wir aber dem jüdisch-arabischen Problem mit langem Atem gegenüberstehen und den Aufstieg anderer Kräfte im Araber« tum geduldiger erwarten. Was jetzt das jüdisch-arabische Problem so akut und aktuell macht, ist das Auseinanderklaffen der jüdischen und der britischen Palästina-Konzeption. Volkstümlich gesprochen: jede neue, von der Regierung zugelassene Araberausschreitung ist ein neues Argument für jüdisch-arabische Verständigung. Die Situation der jüdisch-englischen Beziehungen stellt vor jeden ernstdenkenden Juden das Problem, ob wir uns nicht durch eine jüdisch-