Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1934)
- Article
- Wirtschaft. Von ad. bm.
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 6)
- Language
- German
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barländern illegal nach Palästina kamen. Doch die damit verbundenen Fragen sind politischer Natur und sollen hier nicht erörtert werden. Jedenfalls haben die arabischen Demonstrationen und die darauf erfolgtej drohende Geste der Administration gegen die illegale Einwanderung einem kleinen Rückschlag in den Bodenpreisen und Mieten verursacht, ein Beweis dafür, daß die richtige Empfindung für die Gefaihrenmomente in der Konjunktur vorhanden sind und sicher aber ein Mahnzeichen dafür, daß ein Rückgang der Einwanderung sehr stark auf die Konjunktur einwirken würde. Vorläufig ist ein solcher Rückgang nicht eingetreten. Im November sind, wie im Oktober, zirka 4000 Juden legal eingewandert. Allerdings dürfte sich in den weiteren Monaten die von der Regierung eingeführte ratenweise Zuteilung der ohnedies geringen Zahl von Zertifikaten und die Kontingentierung der Immigrantenzahl per Schiff auf 400 (welche. Maßnahmen allerdings wieder aufgehoben werden wird) fühlbar machen, doch ist im Winter die Bautätigkeit restringiert, so daß sich der Arbeitsmarkt, da andererseits in den Pflanzungen Pflücksaison ist, ausgleichen dürfte. Ein solcher Ausgleich ist um so nötiger, als der Mangel an Arbeitern in der verflossenen Bausaison bekanntlich die unerwünschte Folge gezeitigt hatte, daß aus den Kolonien und Fabriken die jüdischen Arbeiter zu der Bauarbeit, die viel besser bezahlt war, geströmt waren. Der für die Wintermonate zu gewärtigende Rückgang der legalen und illegalen Einwanderung wird vielleicht die wohltätige Folge haben, daß die übermäßig in die Höhe getriebenen Preise für Boden, so wie dies bereits begonnen hat, etwas zurückgehen werden. Hier ist und bleibt der wundeste Punkt im Aufbauwerk. Diese hohen Preise verhindern eine Ausdehnung der landwirtschaftlichen Kolonisation, die hohen Mieten in den Städten verteuern den Lebensstandard, den Arbeitslohn und damit die Produktionskosten, daher auch die Konkurrenzfähigkeit der Industrie, somit das ganze wirtschaftliche System. Wenn dies bisher noch nicht in Erscheinung trat, so ist das dem wichtigen Umstand zuzuschreiben, daß dem wirtschaftlichen Handeln vieler Juden in Palästina starke außerökonomische Antriebe zugrunde liegen. Nach allem, was der Jude in vielen Ländern nicht riur durch den politischen Antisemitismus, sondern auch infolge der Wirtschaftskrise, der Entwertungen aller ökonomischen Werte, auch der Währungen der größten Staaten, mitgemacht hat, ist er abgestumpft gegen Verluste und nur von dem glühenden Wunsche beseelt, im Heimatland endgiltig Ruhe zu finden, sich dort um jeden Preis ein Heim zu sichern. Er zahlt die unsinnigsten Preise für Boden im Bewußtsein der UnWirtschaftlichkeit dieses Tuns, aber er trägt jedes Risiko und verschmerzt Vermögensverluste, wenn er nur in Erez Israel sein Heim gründen kann. Diese außerökonomischen Motive sind geeignet, auch weiter das Bild der Wirtschaft Palästinas zu verzerren, das ohnehin infolge des besonderen Aufbaucharaktersi der ökonomischen Dynamik kein normales sein kann. Immerhin, auch hierin gibt es Grenzen, und dieser Faktor kann keinesfalls von entscheidender Bedeutung sein. Die Steigerung der Bodenpreise muß ihre natürliche Grenze finden und die Möglichkeit, daß durch einen krisenhaften Rückschlag die Wertinflation zurückgetrieben wird, ist nicht von der Hand zu weisen. So erweist es sich immer wieder, daß die Bodenfrage die zentralste Frage des Aufbaues ist und daß hier die wichtigsten Aufgaben einer vorausschauenden Gemeinschaftspolitik gegeben sind. In diesen Heften ist bereits ausführlich in einem Artikel des Herausgebers (Kongreßreferat, Nr. 10/11) alles