Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1934)
- Article
- Wirtschaft. Von ad. bm.
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 5)
- Language
- German
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dem die Juden in so vielen Ländern nebst dem ökonomischen ausgesetzt sind, so stark, daß ein übermächtiger Drang nach Aljah besteht. Die britische Verwaltung tut unrecht, wenn sie dem nicht Rechnung trägt. Es hat sich 1933 gezeigt, daß im Momente, wo sie die legale Einwanderung unter den Bedarf einschränkt, die ihr und der zionistischen Organisation unerwünschte, unkontrollierbare illegale Einwanderung stark zunimmt. Diese Einwanderung soll nun gehemmt werden durch die Vorschrift, daß jeder Tourist fortab 60 Pfund deponieren muß. Es ist dies zunächst ein harter Schlag für die Touristik an sich. Es wird sehr viele jüdische Touristen geben, die nicht nebst den Kosten der Reise noch ein Depot von 60 Pfund in bar werden erlegen können. Was die Touristik für die Wirtschaft des Landes bedeutet, geht aus der oben für 1933 genannten Zahl der Touristen hervor, die zumindest eine Million Pfund im Lande verbraucht und damit einen sehr wichtigen Faktor für die Gesamtwirtschaft bedeutet haben. Ein Rückfall der Touristenzahl etwa auf die Hälfte der vorjährigen bedeutete einen Ausfall von einer halben Million Pfund Ausgaben von Touristen im Lande. Was die Hemmung der illegalen Einwanderung durch jene Bestimmung betrifft, so muß wiederholt werden, was alle maßgebenden Stellen der Jewish Agency mit vollem Recht erklären, daß ihnen die illegale Einwanderung genau so unerwünscht ist, wie der Regierung, da sie unkontrollierbare, für die zionistischen Ziele und das Land ungeeignete, manchmal sogar schädliche Elemente ins Land bringt. Auch entsteht durch diese Einwanderung, die viele Elemente mit sich führt, die nicjht einzuordnen sind, eine künstliche Arbeitslosigkeit, die nun wiederum der Regierung einen Vorwand zur Einschränkung der Einwanderung gibt. Die meisten illegalen Einwanderer finden allerdings Arbeit und die Vertreter der Jewish Agency weisen darauf hin, daß nur die Drosselung der legajen Einwanderung durch die Administration schuld daran ist, daß die Möglichkeit für tausende Touristen besteht, Arbeit im Lande zu finden. Besonders kraß trat diese Drosselunng im Oktober zutage, wo von der Exekutive 25.000 Arbeitsplätze für das Halbjahr Oktober—März nachgewiesen und nur 5500 Zertifikate bewilligt wurden. Diese Restringierung hat einen geistvollen Zionisten zu dem viel zitierten Ausspruch inspiriert, daß ein „nationales Heim" ein Heim ist, in das jene nicht eingelassen werden, für die es errichtet werden soll (Dr. A. Schwadron in „The Palestine Post"). Es gibt daher nur einen Weg, die illegale Einwanderung auf ein Minimum zu beschränken und der ist, daß die Regierung eine geniigtejnde Zahl von Zertifikaten bereitstellt. Alle Sperrmaßnahmen werden sonst auf die Dauer nichts nützen. Der Drang, in Erez Israel zu leben, ist heute bei der Masse der Juden so stark, daß immer, wenn das Land fähig ist, tausende und abertausende von Arbeitskräften aufzunehmen, alle Dämme überflutet werden, was keine Macht der Erde verhindern kann. Die Regierung dürfte sich dessen auch bewußt sein. Denn während sie nach den arabischen Demonstrationen in schärfster Weise Razzien auf illegale Touristen veranstaltete, ist der Effekt der ganzen Ausweisungspraxis ein sehr geringer. Die Nachrichten darüber widersprechen einander und offizielle Daten liegen nicht vor. Sicher weiß man nur von einer sehr kleinen Zahl von Personen, die tatsächlich abgeschoben wurden. Ebenso ist bekannt, daß auch arabische illegale Einwanderer ausgewiesen worden sind. Der Mangel an Arbeitskräften im Lande hatte bekanntlich verursacht, daß tausende Araber aus den Nach-