Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1934)
- Article
- Wirtschaft. Von ad. bm.
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 4)
- Language
- German
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Jedesfalls muß man, abgesehen von der gegenwärtigen Situation, im Auge behalten, daß eine Ausdehnung der landwirtschaftlichen Kolonisation eine Sache von viel Zeit und viel Mitteln ist. Sie kann der Mithilfe der nationalen Fonds nicht entbehren, die gerade hier und speziell, wenn es sich um Kolonisation in neuen Gebieten handelt, lebenswichtige Funktionen für das jüdische Aufbauwerk haben. Keinesfalls gibt es hier ein sprunghaftes Tempo, bei dem zehntausende Juden per Jahr unterzubringen wären. Der zweitwichtigste Produktionszweig, Gewerbe und Industrie, hat einen mächtigen Aufschwung genommen. Dennoch wäre er nicht imstande, allein eine so stark gewachsene Arbeitereinwanderung, wie sie heute vorhanden ist, zu alimentieren. Das kann belegt werden durch die Ergebnisse der letzten Industriezählung der statistischen Abteilung der Jewish Agency vom Frühjahr 1933 (siehe Nr. 10/11, Seite 399). Diese zeigte, daß seit 1930 das in der Industrie angelegte Kapital sich verdoppelt hat (4,6 gegen 2,3 Millionen Pfund). Die Zahl der beschäftigten Angestellten und Arbeiter ist aber trotz dieser rapiden Expansion in diesen 21/2 bis 3 Jahren nur um 50o/o von 11.000 auf 16.000, resp. wenn man die gerade vor Betriebseröffnung stehenden Fabriken in Anschlag bringt, auf 18.500 gestiegen. Dies ist nicht verwunderlich, da noch alle durchgeführten Industrieenqueten in Palästina die Durchschnittszahl der Beschäftigten per Betrieb als sehr klein erwiesen haben (etwa 5 Arbeiter per Betrieb). Selbst wenn wir annehmen wollten, daß im Jahre 1933 3000 Industriev arbeiter neu eingestellt worden sind, so wären das nur lOQ/o der legalen Einwanderung. Zu beachten ist ferner, daß, nachdem mit der rapiden Zunahme der Bautätigkeit auch die Baumaterialindustrie sieh sehr stark ausgedehnt hat, ein Rückgang der Baukonjunktur sofort eine Depression in diesem wichtigen Industriezweig zur Folge haben würde. Die Neugründungen in der Industrie sind, wie erwähnt, 1933 sehr zahlreich gewesen. Leider erfolgten immer häufiger mehrere in ein und derselben Branche, so daß — wie z. B. schon derzeit in der Strickwarenindustrie — ein unerquicklicher Konkurrenzkampf, der zur Senkung der Rentabilität und der Löhne führen muß, in vielen Branchen schon zu konstatieren oder zu erwarten ist. Im großen Ganzen scheint aber noch ein sehr weites Feld für industrielle Tätigkeit vorhanden zu sein, denn die Einfuhr von Fertigfabrikaten ist weiter sehr stark gestiegen; sie beträgt viele Millionen Pfund und konnte nur' zu einem kleineren Teil durch heimische Produktion ersetzt werden. Auch könnte Palästina, wie kürzlich Dr. Marcus hervorgehoben hat, für bestimmte Industriezweige Veredelungsland werden. , Haben die beiden wichtigsten Zweige der Produktion: Landwirtschaft und Industrie trotz ihres Wachstums nur eine beschränkte Aufnahmsfälligkeit für Einwanderer — bei beiden kann es sich derzeit nicht um zehntausende per Jahr handeln — so ist es klar, daß die sogenannte Konjunktur davon abhängt, ob die Baubewegung in genügendem Maße anhalten kann. Dies hat zwei Voraussetzungen: Erstens den entsprechenden Zustrom von Menschen und Kapital, zweitens die Fortdauer der wirtschaftlichen Prosperität. Das eine hat das andere zur Voraussetzung und umgekehrt, aber dennoch enthält diese Verknüpfung auch eine Antinomie: Bei starker Einwanderung steigert die starke Nachfrage die Bodenpreise und dies wirkt hemmend auf Prosperität und Einwanderung. Was die erste Voraussetzung betrifft, so ist heute der politische Druck,