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Palästina · 1934-01-01 · Heft 1 (Januar 1934) · p. Seite 18

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Journal
Palästina
Volume
17 (1934)
Issue
Heft 1 (Januar 1934)
Article
Wirtschaft. Von ad. bm.
Date
1934-01-01
Page
Seite 18 (sequence 3)
Language
German
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zahlen, müssen irgendwo Erwerb finden, primäre Produktion betreiben, um Zins und Lebensunterhalt zu bestreiten. Diese einfache Wahrheit wird heute, wie es 1920 und 1925 der Fall war, verdeckt durch den Umstand, daß der Einwanderungs- und Kapitalzustrom immer größer wurde, resp. wird, so daß der Bedarf an Wohnungen steigt und ein großer Teil der Einwanderer beim Bau Beschäftigung findet. Aber ebensowenig, wie Münchhausen sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf ziehen konnte, ist es möglich, daß dieser Zirkel fortdauert: die Einwanderer brauchen Wohnungen, deshalb bauen die Kapitalisten und beschäftigen dabei einen Teil dieser selben Einwanderer. Die Fortdauer dieses Zustandes wäre nur dann wenigstens für einige Zeit gesichert, wenn jener Zustrom immer weiter wüchse. Diese Möglichkeit soll weiter unten erörtert werden. Hier sei nun wiederholt, daß das Wachstum der landwirtschaftlichen und industriell-gewerblichen Produktion allein die primäre Quelle für eine dauernde und sichere Verwurzelung der Einwanderer sein kann,. Der wundeste Punkt der jüngsten Entwicklung ist deshalb die schon erwähnte geringe Ausdehnung der landwirtschaftlichen Produktion. Der jüdische Bodenbesitz nimmt nur in minimaler Weise zu, die Neukolonisation hat einen so kleinen Umfang, daß sie, abgesehen von Wladi el Chaweretih, wo viele hundert Familien angesetzt worden sind, kaum nennenswert ist. Dia Vermehrung der landwirtschaftlichen Bevölkerung hält nicht im entferntesten Schritt mit jener sprunghaften des städtischen jüdischen Jischuw. Die Folge ist nicht nur eine Schwächung der strukturellen Position der Juden, sondern eine Stärkung der arabischen. Denn die so sehr gewachsene Bevölkerung der Städte hat einen gewaltig sich steigernden Nahrungsmittelbedarf, die arabischen Dörfer passen sich dem an (siehe z. B. die Notiz in dieser Nummer „Gemüsebau in den Scharonkolonien"). Die zweite Folge ist eine bedeutende Steigerung der Einfuhr von Nahrungsmitteln. Wenn man liest, daß z. B. im ersten Halbjahr 1933 doppelt so viel Eier als im ersten Semester 1932 (16 Millionen gegen acht Millionen Stück) eingeführt wurden, eine ähnliche Zunahme bei Geflügel usw. konstatiert, dann muß man es beklagen, daß die vom politischen, nationalen und wirtschaftlichen Standpunkt so wichtige jüdische landwirtschaftliche Kolonisation relativ so geringe Fortschritte macht. Nur ein sehr erfreuliches wichtiges Moment ist in bezug auf die Bedingungen der jüdischen Kolonisation zu verzeichnen: die überraschenden Wasserfunde, die seit 1930 und in der letzten Zeit in immer steigendem Maße in den jüdischen? Kolonien durah Anwendung verbesserter Bohrmethoden gemacht wurden. Diese Funde ermöglichen es den betreffenden Kolonien, ihre Wirtschaft stark zu intensivieren und damit die Siedlerzahl zu verdichten. Wienu die Bodeupreise von heute — in der Nähe der Pflanzungskolonien verlangt man schon 30 bis 40 Pfund per Dunam — den Bodenerwerb für Neukolonisation erschweren, so ist wenigstens durch diese Wasserfunde, denen noch weitere folgen werden, eine erhöhte Siedlungsmöglichkeit in den bestehenden Kolonien gegeben. Diese Funde sind auch deshalb so Ungemein wertvoll, weil Palästina in den letzten Jahren fortwährend unter Dürre gelitten hat und auch in diesem Winter der Regen bisher noch sehr spärlich gefallen ist. Wahrscheinlich' wird ferner die Hausse der Bodenpreise in den besiedelten Gegenden dazu führen, daß endlich die Erschließung jener Gebiete nähergetreten wird, an 'die man sich bisher wegen der bekannten Schwierigkeiten nicht herangewagt hat — wie Jordantal, Huleh und Negeb.

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