Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1933)
- Article
- Einwanderungsstruktur und Kapitalimport 1926-1932
- Date
- 1933-12-01
- Page
- Seite 429 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2379786-2379908-2379915-2399366--16478-2399636- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
tion vor dem Handel zu bevorzugen. Auch hat die Zahl der Familien, die bloß vom Kapitalsertrag leben, in der zweiten Periode stark abgenommen. Die Untersuchung ergab also, daß nicht nur das Kapital befruchtend auf die Produktion gewirkt hat, sondern vor allem 'die »Einwanderer selbst sie förderten, ja die Verfasser neigen dazu, der Initiative und Erfahrung der, Einwanderer mehr Verdienst an der durch! sie erfolgten Produktivierung des Landes zuzuschreiben, als dem Kapital. Um diese These näher zu begründen, geben die Verfasser eine Spezialuntersuchung der zwei Ansiedlungen Ramath Gan und Ramath Hascharon, die hauptsächlich von Einwanderern ohne Kapital zur Blüte gebracht wurden. Die Enquete erstreckte sich auf 182 Familien mit 688 Seelen und 103.958 Pfund Kapital. Nicht eine einzige Familie war berufslos, 60,8 o/o der Familien und 68,5o/o des Kapitals sind mit der Plantagen Wirtschaft verbunden. Die Einwanderer hatten im Anfang fast gar keine nennenswerten Mittel. In Ramath' Gan zeigte es sich, daß jene Familien die höchsten Einkommen haben, die sich nicht ausschließlich auf Plantagenwirtschaft beschränken. Abschließend bemerken die Verfasser, daß die rückständige Wirtschaft Palästinas durch den jüdischen Einwanderer eine wachsende Arbeitsproduktivität gewinnt und ihre Struktur immer mehr normalisiert wird. Das einströmende Kapital an sich würde keine Wirtschaftsentfaltung mit sich bringen, wenn es nicht von der Initiative des Einwanderers befruchtend beeinflußt werden würde. Das Schwergewicht der Berufstätigkeit legt sich immer mehr auf die Plantagenwirtschaft, die Umschichtung der Einwanderer ist gesund, sie werden gegenüber ihrer Beschäftigung im Heimatland produktiviert und der Handelsberuf spielt in Palästina eine geringe Rolle. Es wird viel gesipart und das akkumulierte Kapital wieder investiert. Die Untersuchung von Ramath Gan und Ramath Hascharon zeigt, wie sehr die Sparquoten an den geschafften Werten teilhaben, da die betreffenden Siedler ohne größere Mittel zu arbeiten begonnen haben. Die Aufnahmsfähigkeit der Wirtschaft an Menschen ist ein relativer Begriff, sie wächst mit Hebung der Arbeitsproduktivität und des Wirtschaftsniveaus, die durch die jüdische Einwanderung erfolgen. Dem Werke sind 20 Tabellen beigegeben. Von den "Verfassern hat David Gurevich, der Leiter der Statistischen Abteilung der Jewish Agency, der bekanntlich schon eine Reihe wertvoller Enqueten durchgeführt hat, auch diese organisiert und das Material beschafft. Die Verarbeitung und Verwertung des; Materials besorgte Dr. G. Cyderowitsoh, der früher dem deutschen Konjunkturinstitut angehörte; in ihm hat die Wirtschaftsforschung Palästinas eine wertvolle Kraft gewonnen. Die vorliegende Arbeit steht auf der Höhe des heutigen Standes der Wissenschaft. Wenn auch nur ein iTeil der nach Palästina eingewanderten Kapitalbesitzer durch die Enquete erfaßt wurde, so war es doch fast die Hälfte der Familienanzahl der betreffenden Periode und man hat allen Grund anzunehmen, daß die Ergebnisse der Enquete im Großen und Ganzen ein zutreffendes Bild von der Eingliederung der gesamten kapitalsbesitzenden Klasse gibt. Dieses Bild ist durchaus erfreulich und hoffentlich wird in Zukunft durch relative Verminderung der Kapitalanhäufung in der Citrus Wirtschaft die weitere Kapitalsinvestition noch mehr zur Normalisierung der Palästinawirtscjiaft beitragen, als die bisherige. Von besonderem Werte ist auoh der Nachweis, daß auch die kapitalsischwachen