Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1933)
- Article
- Die Genossenschaftsbewegung und die Fellachenwirtschaft
- Date
- 1933-12-01
- Page
- Seite 426 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379908-2379915-2399365--16473-2399633- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
b) Hebung des Lebensstandardes der arabischen Fellachen, die die Mehrheit der arabischen Bevölkerung bilden. Wäre der Bedarf der 600.000 arabischen Fellachen dem Bedarf der 300.000 Konsumenten mit europäischem Lebensstandard gleich, so könnte man taustende von neuen Arbeitern in der palästinensischen Industrie beschäftigen. Von diesem Standpunkte aus kann die große Summe, die jahraus, jahrein von den Fellachen als Zinsen gezahlt werden, nicht gering eingeschätzt werden, und sie könnte wohl als wichtiger Faktor zur Hebung des Bedarfes an industriellen Waren dienen. Der Bedeutung der von den Bauern gezahlten Zinsen als Faktor, der die Kaufkraft beeinträchtigt, wurde in allen Ländern besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Allerdings wird die Kaufkraft der Bauernbevölkerung in Palästina automatisch durch die Kapitalisierung und Entwicklung des Landes gehoben. Trotzdem ist der Versohuldungsfaktor nicht zu unterschätzen. Die Hebung der Kaufkraft durch andere Faktoren wird am besten durch Gegenüberstellung mit Nachbarländern zu erkennen sein. Es genügt, die Lage der Fellachen in Syrien und Transjordanien mit der der palästinensischen Fellachen zu vergleichen, umj den Unterschied zu bemerken. Die mit Citrus bepflanzte Fläche in Händen der Araber ist von 20.000 auf 60.000 Dunam gestiegen. Diese Erweiterung der Pflanzungsfläche hat die Absorption von Tausenden arabischer Fellachen als Lohnarbeiter ermöglicht. Die Entwickulng der Städte hat den Markt für Produkte der Landwirtschaft, wie Gemüse, Eier usw. geschaffen. Das vergrößerte Regierungsbudget hat die Durchführung von großen öffentlichen Arbeiten, bei denen1 Hunderte von Felalchen beschäftigt wurden, ermöglicht. Der Transport von Baumaterialien ist ebenfalls zu den wichtigsten Arbeitszweigen der Araber geworden. Die jüdische Kolonisation hat zu großen Strukturwandlungen in der Fellachenwirtschaft im Lande geführt. Diese Strukturwandlungen haben den palästinensischen Fellachen vor dem Schicksal des syrischen und transjordanischen Fellachen bewahrt. r Es bleibt noch die Frage zu behandeln, ob die Kaufkraft durch die Herabsetzung der Zinszahlungen gehoben wird. Scheinbar bleiben diese Zahlungen im Lande und heben ohnehin die Kaufkraft, wenn es auch, die Kaufkraft der Gläubiger ist. Dieser Gedankengang beruht auf falschen Voraussetzungen. Die Akkumulierung von großen Kapitalien in wenigen Händen kann die Kaufkraft nicht in derselben Weise heben, wie es durch Verteilung auf breite Massen zur Folge hätte, besonders wenn der Bedarf dieser Massen heute noch unter dem minimalen Niveau liegt. Dieses Problem beschäftigt heute die Wirtschaftsexperten Europas und Amerikas, wo sich große Depositen als totes Kapital in Banken angesammelt haben. Der Prozeß der Kapitalakkumulierung geht auch in der arabischen Wirtschaft Palästinas vor sich, besonders infolge des Landverkaufs zu hohen Preisen. Das Kapital bleibt in den Händen der reicheren Schichten der arabischen Bevölkerung akkumuliert. Es ist interessant, die Bilanz der arabischen Nationalbank im Laufe der letzten zwei Jahre zu beobachten, die gewissermaßen diesen Prozeß widerspiegelt: 1931 1932 palästinensische Pfund Sparkonten zur täglichen Kündigung: 26.500 70.600 „ zu Termin - Kündigungen: 26.700 62.600 Eine solche gewaltige Steigerung im Laufe eines Jahres ist wohl außergewöhnlich und deutet zweifellos auf einen Prozeß der Kapitalakkumulation. Die un-