Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1933)
- Article
- Die Genossenschaftsbewegung und die Fellachenwirtschaft
- Date
- 1933-12-01
- Page
- Seite 425 (sequence 4)
- Language
- German
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Die palästinensische Regierung hat jedoch den Weg des Palliativs, den Weg der Organisierung von Kredit-Kooperativen als ausschließliches Mittel gewählt. Der Erlolg dieser Schritte ist höchst zweifelhaft, wenn diese nicht durch gesetzgebende Maßnahmen, die auf die Losung des Schuldenproblems gerichtet wären, begleitet sind. Die neuen Kredit-Kooperativen werden die Hindernisse und Schwierigkeiten, die ihnen bevorstehen, nicht überwinden können, solange die Last der alten Schulden vom den Schultern der Fellachen nicht abgewälzt wird. Dieses Problem ist von entscheidender Bedekitung nicht nur für die Fellachenklasse und ihre Zukunft. Ans der Verelendung der Fellachen, die durch die schwere Schuldenlast verursacht ist, entstehen ernste Gefahren für den Arbeitsmarkt im Lande. Tausende von Fellachen, die in ihrer Wirtschaft ihren Lebensunterhalt nicht finden können, werden durch wirtschaftliche und soziale Bedingungen (und hauptsächlich durch die Schuldenlast) gezwungen, auf dem Arbeitsmarkt zu erscheinen und sind bereit, auch für den niedrigsten Arbeitslohn zu arbeiten. Solange der niedrige Lebensstandard der Fellachen die Aneignung der mini* malen Bildung unmöglich macht, kann die Intensivierung der Fellachenwirtschaft, die eine Vara/ussetzung für Verwendung moderner Bearbeitungsmethoden bietet, nicht verwirklicht werden. An hohen Zinsen scheitert ihr Versuch, auch die kleinste Summe zu ersparen, um sie zur Entwicklung der Wirtschaft zu verwenden. Der FeUaehe ist gezwungen, große Landflächen in seinem Besitz zu behalten und einen beträchtlichen Teil seines Bodens für den Gläubiger zu bearbeiten. Er ist wirklich ein Sklave des Gläubigers und es ist ihm jede Möglichkeit genommen, seine wirtschaftliche und soziale Lage zu bessern. Von allen diesen Standpunkten: des Arbeitsmarktes, der Intensivierung, der Bodenfragei — sind die Schulden des Fellachen eine große Gefahr für die gesamte Wirtschaft des Lajndes und den Lebensstandard der jüdischen und der arabischen Bevölkerung. So gelangen wir zum Zusammenhang des ausschlaggebenden Problems: des. Einflusses der Lage der Fellachen auf die verschiedenen Zweige der palästinensischen Wirtschaft, der sich vor allem bei den Ausslichten der Industrie Palästinas bemerkbar macht. Der Mangel an Absatzmärkten ist eines der wichtigsten Hindernisse für die Entwicklung der palästinensischen Industrie. Die technischen Fortschritte und »die Ausbreitung des Transportnetzes haben zur Dezentralisierung der Industrie in der Welt geführt. Die Gründung von neuen Industrien auch in den Ländern, die keine Rohmaterialien haben, stoßen auf geringe Schwierigkeiten, da die Transportkosten heute für die Rentabilität der Industrie nicht mehr ausschlaggebend sind. Viel wichtiger ist eine andere Vorbedingung für die Entwicklung der Industrie: ein großer Markt, der auch als Basis für den Export ins Ausland dienen könnte. Es gibt viel Industrien, die sich in Palästina entwickeln könnten, wenn der Bedarf ein gewisses Minimum ausmachen würde. Ohne dieses Minimum ist ihre Entwicklung ausgeschlossen. Die schon existierenden Industriebetriebe könnten ihren Umfang vergrößern und eine große Zahl neuer Arbeiter beschäftigen, wenn sich der Markt für sie erweitern würde. Der palästinensische Markt hat heute nur 300.000 Konsumenten, von denen 200.000 Juden und 100.000 Araber mit europäischem Standard sind. Zwei Faktoren könnten zur Erweiterung dieses Marktes beitragen: a) Jüdische Imigration und