Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1933)
- Article
- Die arabische Bewegung in Palästina im Jahr 1933
- Date
- 1933-12-01
- Page
- Seite 418 (sequence 8)
- Language
- German
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jungen und der Istaklal-Partei begannen eine energische Agitation gegen diel Einwanderung deutscher Juden. Die Luft wurde hieiß und elektrisiert. In früheren Jahren konnte man bei einer solchen Atmosphäre eine direkte Revolte gegen die Juden erwarten, aber diesmal änderte sich die Lage in mancher Hinsicht. In den ersten Jahren nach der Batfourdeklaration organisierten' die arabischen Führer Pogrome mit einem offenen politischen Argument. Im Jahre 1929 bedienten sie sich! eines religiösen Argumentes bei der Organisierung der Pogrome. Aber dieses System befleckte die arabische Bewegung, die noch gezwungen ist, in der Kulturwelt um ihre Anerkennung als eine kulturelle nationale Bewegung zu kämpfen. Die Bewegung — diesbezüglich ist ein Maß von kultureller Reife zu verzeichnen — schämt sich jetzt der Bezeichnung Pogrom. Die arabischen Führer glaubten mit Recht oder mit Unrecht, daß, wenn sie in diesem Moment, da die Welt darüber nachdenkt, was man mit den unglücklichen deutschen Juden machen solle, eine direkte Empörung gegen die Juden organisieren werden, ihre Stellung in der Welt sehr, schwer sein würde, was ihren Angelegenheiten bloß schaden würde. (Absichtlich berühre ich bei diesem Punkt nicht die Tatsache der Sicherheitskräfte im Lande und die bittere Erfahrung, welche die Araber hatten, daß jeder Angriff auf die Juden eine Periode von erhöhten jüdischen Anstrengungen zur Entwicklung des jüdischen Jischuw nach sich zog. Dieser Erfahrung hat sicherlich der arabische Jischuw noch nicht vergessen.) Es ist möglich, daß es an einejn direkten Argument zum Angriff auf die Juden fehlt, denn dem Araber den „Schaden" nachzuweisen, den der jüdische Einwanderer dem Lande bringt, kann man bloß mit einem politischen Argument in bezug auf die Zukunfty (Die Juden werden zur Mehrheit werden und dann vielleicht die Araber beherrschen.) Ohne Zweifel haben die arabischen Führer auch den Zusammenbruch der direkten Revolte gegen die Juden im Jahre 1929 ins Kalkül gezogen, denn dieser Angriff hat den Arabern den politischen Erfolg nicht gebracht. Demgegenüber wurde die Bewegung in den letzten Jahren von der Strömung in Istaklal beeinflußt, die behauptet, daß der Zionismus bloß ein Zweig am Stamme sei, und zwar der Existenz Englands in Palästina. Der Angriff auf den Zionismus werde keinen Erfolg haben, solange der Stamm besteht, der den Zweig nährt. Und darum muß der Kampf dfer Araber direkt gegen England gerichtet;sein und nicht gegejn den Zionismus, der von selbst zusammenfallen werde, wenn England fällt. Und die Idas behaupten, haben einen schlagenden Beweis: Die Erfahrungen mit dem Kampf gegen den Boden verkauf an die Juden. Solange die britische Herrschaft nicht ein Gesetz erlassen wird, das den Bodenverkauf .an die Juden verbietet, werde der Kampf der Führer gegen die arabischen Bodenverkäufer vergeblich' sein. Der Zionismus kämpft mit wirtschaftlichen Mitteln und die gegenwärtige arabische Bewegung ist rein politisch, ohne daß sie mit den Bedingungen der Wirtschaft rechnet, und darum vermag diese Bewegung mit eigenen Kräften die Herrschaft in der arabischen Gesellschaft nicht zu erringen. Nur wenn die Herrschaft in den Händen dieser Führer sein wird, oder wenn die britische Herrschaft sie unterstützen werde — werden sie die wirtschaftlichen Faktoren überwinden können, welche die arabische Gesellschaft in eine Richtung drängt, die zur pojitisch-arabischen Bewegung im Gegensatz steht. Daher die maximale Politisierung der Bewegung in der letzten Periode und die in ihr überhand nehmende anti-britische Richtung.