Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1933)
- Article
- Jewish Agency.
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 374 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Panik eine organisierte Auswanderung treten muß, die nur mit Unterstützung der deutschen Behörden bewerkstelligt werden kann. Die Resolution, die der Kongreß zur deutschen Judenfrage annahm, bringt zusammenfassend die Grundgedanken der Referate zum Ausdruck. Die schärfere Gegenresolution der Revisionisten war durch die Annahme des Vorschlages der Kongreßmehrheit von selbst erledigt. Die Behandlung der Deutschland-Frage auf dem Kongreß wurde auch in Deutschland selbst mit großem Interesse verfolgt. Manche deutsche Zeitungen ließen es sich zwar nicht nehmen, den Kongreß mit djer von ihnen sitets vermuteten „Hetzpropaganda" in Zusammenhang zu bringen, aber die maßgebenden Organe anerkannten direkt oder indirekt die gemäßigte Haltung des Kongresses, wobei manche sogar Verständnis für die spezifischen Schwierigkeiten des Zionistenkongresses an den Tag legten. Gleichzeitig mit dem Kongreß wurde bekannt, daß das Reichswirtschaftsministerium mit zionistischen Stellen ein Abkommen bezüglich Kapital-Transfer nach Palästina durch Warenexport beschlossen hat. Wir wollen hier auf die technischen Einzelheiten dieses Abkommens1, dessen finanztechnische Brauchbarkeit von manchen Seiten angezweifelt wird, nicht eingehen; der Hinweis soll nur anzeigen, daß offenbar bei deutschen Stellen Verständnis dafür besteht, daß in Anbetracht der heutigen deutschen Judenpolitik der Zionismus eine fördernswerte Sache ist. Neben diesen beiden Hauptfragen: Untersuchungs-Kommission gegen die Revisionisten und deutsche Judenfrage, traten alle anderen Angelegenheiten auf dem Kongreß in den Hintergrund des Interesses. Der Kongreß beschäftigte sich natürlich' auch mit allen Fragen der palästinensischen Politik und Wirtschaft. Dabei kam es im wesentlichen zu den Debatten, deren Grundmotive schon von früheren Kongressen bekannt sind. Eine scharfe politische Kontroverse, wie sie den XVII. Kongreß beherrscht hatte, gab es diesmal nicht. Der Kongreß faßte die üblichen Resolutionen, die von der Mandatarmacht eine maximale Förderung des jüdischen Siedlungswerkes fordern. Von politischen Deklarationen hielt er sich sonst fern. Nur in der Resolution, die in vorsichtiger Form eine Oeffnung Transjordaniena für jüdische Kolonisation verlangt, wird der Wille zur Verständigung mit den Arabern kundgegeben. Das Problem der Auseinandersetzung mit dem arabischen Volk, für Palästina ein Hauptproblem ersten Ranges, wurde aber auf dem Kongreß nicht ernsthaft behandelt. Und doch wird gerade angesichts der steigenden Einwanderung diese Notwendigkeit immer dringlicher. Was die ökonomischen Fragen betrifft, so wurden hierüber eine Anzahl ernster und instruktiver Referate gehalten. Hervorgehoben sei, weil es die Lesier dieser Zeitschrift besonders interessieren dürfte, der umfassende Vortrag von Adolf Böhm über die Notwendigkeit einer Ergänzung der privaten Aufbauarbeit durch die Wirksamkeit öffentlicher Mittel, praktisch gesprochen also Keren Hajessod und Keren Kajemeth. Da infolge der Prosperitätswelle in Palästina der Wert der öffentlichen Fonds in der letzten Zeit häufig angezweifelt wurde, war eine solche, mit genauen Daten belegte Darlegung von großem Nutzen und wohl auch von bedeutender Wirkung. Wie sich im übrigen in Zukunft die öffentlichen Fonds gestalten werden, ist noch nicht klar ersichtlich, da die zugunsten einer Ansiedlung deutscher Juden in Angriff genommene Spezialaktion sich vermutlich auch ihre eigenen Finanzinstrumente schaffen wird. Die hierfür zur Verfügung