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Palästina · 1933-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1933) · p. Seite 373

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Journal
Palästina
Volume
16 (1933)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1933)
Article
Jewish Agency.
Date
1933-10-01
Page
Seite 373 (sequence 4)
Language
German
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selbst ihat siich ja im Gegensatz zu jenen jüdischen Strömungen, die den Anti- 373 semitismus „abwehren" zu können meinten, zu der Erkenntnis durchgerungen, daß die Emanzipation und Assimilation des 19. Jahrhunderts keine Lösung der Judenfrage gebracht hat, sondern daß die Entwicklung der Dinge nach dem Eintreten der Juden ins europäische Leben zu einer Zuspitzung der Probleme hintrieb. Im gegenwärtigen Augenblick vermag Palästina selbst bereits einen Teil der in Deutschland ausgegliederten Juden aufzunehmen; darüber hinaus erwartet der Zionismus, daß durch die Errichtung des Jüdischen Nationalheims die Stellung der Juden auch moralisch gestärkt und politisch verbessert werden wird. Dies alles aber muß durch jüdische Arbeit errungen werden, und dieser Aufbau allein ist die eigentliche zionistische Aufgabe. Diese zweite Anschauung, die man wohl alsi die „klassische", auf den Schriften Theodor Herzls beruhende zionistische Auffassung bezeichnen kann, hat auch auf dem XVIII. Kongreß die Oberhand behalten. Wäre der Zionismus den anderen, von den Revisionisten befürworteten Weg gegangen, dann wären die Folgen für die Bewegung unabsehbar gewesen. Der Zionismus hätte sich einmal mit dieser, einmal mit jener europäischen Macht im Kriegszustand befinden können, und unter diesen Umständen wäre die Zionistische Organisation gar nicht aufrechtzuerhalten. Daß die Haltung des Kongresses iri dieser Frage staatsmännisch richtig war, wurde auch von der großen internationalen Weltmeinung, der z. B. die Londoner „Times" Ausdruck gab, bestätigt. Die deutsche Judenfrage kam in zweierlei Formen vor den Kongreß, man könnte sagen: unter ihrem politischen und ihrem praktischen Aspekt. Der politischen Seite galten vor allem die Reden des Präsidenten der Jewish Agency, Nahum S o k o 1 o w. Sokolow erkannte richtig, daß die zionistische Tribüne der richtige Ort ist für die Verteidigung der jüdischen Ehre, wenn diese von irgendeiner Seite angegriffen wird. Die Theorie von der Minderwertigkeit der jüdischen Rasse, die das nationalsozialistische Deutschland sich zu eigen gemacht hat, ist eine These, mit der das jüdische Volk, wo immer es lebt, sich nicht abfinden kann. Dies ist keine „innere" Angelegenheit irgend eines Staates, da ja der Jude als solcher angegriffen wird, vielfach auch das jüdische Volk der Vergangenheit und die jüdische geistige Leistung. Sokolow hat betont, daß das jüdische Volk nicht nur den Frieden will, sondern auch jedem Volk seine nationale Weltstellung und innere Entfaltung wünscht; das jüdische Volk betrachtet sich auch keineswegs für befugt, Fragen der inneren politischen Gestaltung Deutschlands oder anderer Länder zu beurteilen. Nicht gegen Deutschland wird protestiert, sondern gegen den deutschen Antisemitismus. Darüber hinaus stellte Sokolow fest, daß durch die Vorgänge in Deutschland das Judenproblem als ein internationales Problem, das „im Rate der Völker" gelöst werden muß (Herzl), erkannt worden ist. Wie der Zionismus sich eine praktische Lösung dieser Frage vorstell«, zeigte Dr. R u p p i n in seinem großangelegten Referat. Ruppin beschränkte sich nicht darauf, die Siedlungsmöglichkeiten in Palästina (denen naturgemäß der Hauptteil seines Referates galt) zu umreißen, sondern er skizzierte auch die übrigen Möglichkeiten, darunter ein Schema für Verteilung von Auswandererquoten auf die einzelnen Mitgliedsstaaten des; Völkerbundes. Palästina selbst kann nach Ruppins Meinung hunderttausend deutsche Juden in den nächsten zehn Jahren aufnehmen, und würde damit bei weitem den Großanteil der Abhilfe leisten. Bemerkenswert ist auch die Hervorhebung Ruppinsi, daß an Stelle einer sinnlosen

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