Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1933)
- Article
- Jewish Agency.
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 375 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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stehenden Mittel sind ohnedies zum Teil in der Verwaltung von Instanzen, die der Kompetenz des Kongresses gar nicht unterliegen. Zum Leiter der Ansiedlungsaktion für deutsche Juden wurde Dr. Weizmann bestellt. Sein Schatten stand über dem Kongreß, ohne daß sein Name allzu oft in die Debatte gezogen worden wäre. Weizmann war nicht nach Prag gekommen, aber es ist ein offenes Geheimnis, daß durch hin- und herreisende Delegationen, durch zahlreiche Telephongespräche und Briefe seine Freunde einen engen Kontakt mit ihm aufrecht erhielten und sich bemühten, ihn zum Kongreß zu bringen. Auch wurden Versuche gemacht, Weizmanns Kandidatur für den Posten des Präsidenten wieder zu lancieren. Weizmann war klug genug, um dem an ihn ergangenen Rulf nicht zu folgen und jede; Leitungs-Kombination mit seiner Person abzulehnen. Trotz des Uebergewichtes der Arbeiterpartei wäre bei der Zusammensetzung des Kongresses ein Auftreten Weizmanns nur das Signal für Kämpfe gewesen, die weder der Würde des Zionismus, noch dem Prestige von Weizmann gedient hätten. Weizmann hat aber — wie auch schon bei früheren Gelegenheiten — eine anerkennenswerte Selbstverleugnung an den Tag gelegt, indem er den Posten eines Kommissärs für die deutsche Juden-Siedlung übernommen hat — eine Stellung, die heute faktisch zweifellos von allergrößter Wichtigkeit ist. Zum Präsidenten der Jewish Agency wurde S o k o 1 o w wiedergewählt, die Exekutive umfaßt vier Angehörige der Arbeiterpartei (Ben Gurion, E. Kaplan, Locker, Schertock), vier Allgemeine Zionisten (Brodetzky, Grünbaum, Jacobson, Ruppin) und als amerikanisches Mitglied Lipsky. Den Vorsitz der Palästina-Exekutive und das Referat für die deutsche Juden-Siedlung führt Dr. Ruppin. Die Exekutive wird im übrigen wieder ergänzt durch drei den nichtzionistischen Teil der Agency repräsentierende Mitglieder (Senator, Hexter, Berkson). Der Zusammenhang zwischen Palästina-Mandat und deutscher Judenfrage wurde auch in der Völkerbunds-Tagung im Oktober ausdrücklich anerkannt. Sowohl in der Sechsten (politischen) Kommission der Völkerbundsversammlung, als auch gelegentlich des Berichtes der Mandatskommission in der Versammlung selbst, kam es zu einer Aussprache über die Fortschritte des Palästinawerkes, wobei die jüdischen Einwanderungsbedürfnisse entsprechend gewürdigt wurden. Die Jewish Agency hat nach ihrem Amtsantritt ein Manifest erlassen, worin sie die Lage im Zionismus darstellt und in großen Linien ihr Arbeitsprogramm entwickelt. Abschließend kann wohl gesagt werden, daß die große Mehrheit der Juden aller Länder, darunter auch solche, die bisher antizionistisch eingestellt waren, die Aktion der Jewish Agency in Palästina zu unterstützen bereit ist und von der jüdischen Renaissance im Lande der Väter Großes erhofft. Die Frage der Ansiedlung deutscher Juden vor dem Völkerbund. In der Anfang Oktober stattgehabten Sitzung der Minderheitskommission «der Völ- "kerbundversammlung regte der norwegische Vertreter Lange eine Aussprache über die Auswanderung deutscher Juden nach Palästina an, unterstützt von Abgeschlossen am 30. September 1933 POLITIK.