Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1933)
- Article
- Jewish Agency.
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 372 (sequence 3)
- Language
- German
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Diesmal ist der Kongreßkampf noch, in der anderen Richtung entschieden worden. Die Arbeiterpartei, die bei weitem die stärkste Gruppe des Kongresses, hat zusammen mit der linken Hälfte der „Allgemeinen Zionisten" die neue Leitung gebildet. Die sogenannte Gruppe B der „Allgemeinen Zionisten" isjö jedoch dieser Koalition fern geblieben. Außerhalb der Leitung stehen also jetzt die Revisionisten», der Misrachi und die Allgemeinen Zionisten der Gruppe B, d. h. aus der Perspektive Palästinas gesehenj, die bürgerlichen Elemente mit Ausnahme der Intellektuellen. Es wird von der politischen Klugheit und praktischen Leistungsfähigkeit der Exekutive abhängen,, ob sie auch einen Teil der Gefolgschaft der Parteiführer der Allgemeinen Zionistenj, Gruppe B, für sich: gewinnen kann. Eine Gewinnung der Revisionisten und des Misrachi ist von vornherein ausgeschlossen. Es käme darauf an, das ganze jetzige Parteisystem, das reichlich sinnlos geworden ist, zu durchbrechen, wozu ein günistiger Moment jetzt gekommen ist, da die zahlreichen neuen Einwanderer und die vielen neuen Zionisten in der ganzen Welt parteimäßig noch nicht so abgestempelt sind. Ob freilich die innerhalb der herrschenden Koalition dominierende Arbeiterpartei zu einer solchen überparteilichen Aktion fähig sein wird, wird ersffe die Erfahrung lehren. Mit größter Spannung wurde selbstverständlich die Stellungnahme des Kongresses zu den Ereignissen in Deutschland erwartet. Es fehlte nicht an Bemühungen., den Kongreß in ein politisches Forum zu verwandeln und von ihm aus Parolen zum politischen und ökonomischen Kampf gegen das Deutschland Hitlers auszugeben. Zwei Auffassungen innerhalb des Zionismus ringen hier miteinander. Die eine Richtung ist der Meinung^ daß der Zionismus die weltpolitische Organisation der Juden sein muß und daher in der Art einer kämpfenden und organisierenden Macht für die Interessen der Juden einzutreten hat. Da in Deutschland die Juden entrechtet worden sind, da ihnen die Gleichberechtigung genommen wurde,, habe — nach dieser Theorie — der Zionismus die Führung im Kämpfte um die Wiedergewinnung dieser Rechte zu ergreifen und demgemäß alle Kräfte gegen die Macht, die diese jüdischen Rechte angetastet hat, zu mobilisieren. Es sollte also der Zionistenkongreß eine Boykottparole gegen Deutschland ausgeben, eine Organisierung des Warenboykotts ins Auge fassen, die Intervention fremder Mächte anrufen usw. Diese Auffassung wurde mit aller Konsequenz eigentlich nur von den Revisionisten vertreten. Auf der anderen Seite steht die Richtung, die meint, daß dei» Zionismus sich ausschließlich mit der seiner Idee entsprechenden Lösung der Judenfrage zu beschäftigen hat, daß er unter allen Umständen in außenpolitischer Beziehung seine Neutralität aufrechterhalten muß, keinerlei gegen eine bestimmte Macht gerichtete Aktion unternehmen darf, sondern seine Hauptaufgabe in jenen Maßnahmen erblickt, die dazu dienen sollen, die von ihm erkannten Ursachen der Judenfrage zu beseitigen, alslo vor allem dem Aufbau des Jüdischen Nationalheims in Palästina. Die Judenfrage, so argumentiert diese zionistische Auffassung, tritt einmal in dieser, einmal in jener Form hervor, einmal in nur moralischen Verletzungen* das andere Mal in umfassenden Katastrophen; im Grunde aber sind es nur verschiedene Erscheinungsformen der einen Grundtatsache, der ungelösten Judenfrage. Statt den Völkern, die mit der Judenfrage nicht fertig werden können und sich mit einer radikalen Judenfeindscjhaft helfen, den Kampf anzusagen, muß der Zionismus sich bemühen, einen Zustand zu schaffen, der den Konfliktstoff verringert. Denn er