Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1933)
- Article
- Jewish Agency.
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 371 (sequence 2)
- Language
- German
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ridhtig festgestellt wurde», nicht Sache des Kongresses, da «ein Gerichtsverfahren gegen eine Reihe von Beschuldigten schwebt, in das nicht eingegriffen werden katon. Daß aber diese Beschuldigten dem extremen revisionistischen Flügel angehören, daß viel Symptome und die ganze Phraseologie dieser Gruppe den Verdacht ihrer Schuld aufkommen ließ, ist eine so schwere Belastung der Revisionisten^, daß eine eindeutige Klärung der innerpolitischen Verhältnisse sehr erwünscht gewesen wäre. Dazu hätte es aber des Eingreifens von Persönlichkeiten größeren Ausmaßes, von anerkanntem moralischem Gewicht und überpolitiscjher Geltung bedurft*, die auf dem Kongreß nicht vorhanden waren. An dem Hauptproblem, dem geistigen Wesen des Zionismus, der Grundeinstellung und Erziehung, ging der Kongreß achtlos vorüber. Dies muß mit ehrlicher Sorge über die Zukunft der Bewegung erfüllen. Denn es steht Größeres auf dem Spiele für das gesamte Judentum, als auch die besten Parteiredner, die doch immer nur ihre Patrteihaltung rechtfertigen, erkennen lassen. Die revisionistische Gruppe hat eine recht widerspruchsvolle Haltung eingenommen. Vor zwei Jahren, nach' dem XVII. Kongreß, trat sie mit eindeutigen Sezessionsabsidhten hervor. Ihr Führer Jabotinsky trat formell aus der Zionistischen Organisation aus und wollte seine ganze Partei für den Austritt gewinnen. Als das nicht ging, erfand man das Kompromiß, die „Revisionistische Union" aus zwei Hälften zusammenzusetzen, dem schekelzahlenden und dem nicjit schekelzahlenden Revisionisten. Ueber ein Jahr ging der Streit innerhalb der Partei weiter^ wobei die Revisionisten insbesondere den Kongreßbescjhluß über zionistische Disziplin und das Verbot selbständiger außenpolitischer Aktionen anfochten. Jeder, der diese Kontroverse verfolgte, mußte meinen, daß der Jabotinsky-Flügel sich nicht als Bestandteil der Organisation betrachtet. Umso größer war das Erstaunen, als diese Gruppe sieh zum XVIII. Kongreß wieder wählen ließ. Trotz allen bombastischen Reden hatten die Herren im Stillen wahrscheinlich eingesehen, daß sie ohne die Zionistische Organisation zur Bedeutungslosigkeit herabsinken würden. Sie hofften, auf dem XVIII. Kongreß die Führer einer bürgerlichen Koalition zu werden. Diese Hoffnung ist nun freilicjh durch' die Erregung über den Arlosoroff-Mord zunächst hinfällig geworden. Aber man hat sie anscheinend nicht aufgegeben. Dies dürfte auch der wahre Grund sein, warum die Revisionisten auch nach dem Beschluß des Kongresses, eine Untersuchungs-Kommission gegen sie nach* Palästina zu entsenden,, nicht, wie vorher angedroht worden war, den Kongreß und die Organisation verließen, sondern sich mit ein paar armseligen Demonstrationen im Kongreßsaal begnügten. Dieselbe Gruppe, die zwei Jahre lang gar nicht genug scharf den Austritt propagieren konnte, ist auch nach ihrer parlamentarischen Niederlage in der Organisation verblieben. Dies bedeutet wohl, daß die Revisionisten zwar momentan im Bewußtsein ihrer taktisch ungünstigen Lage sich zurückhalten, aber doch erwarten, daß ihre Zeit bald kommen wird. Sie rechnen dabei auf die Unzu&iedehbeit der sozial und ökonomisch immer stärker werdenden bürgerlichen Kreise Palästinas, die sie als Bundesgenossen gegen die Arbeiterpartei betrachten. Und in der Tat muß man zugeben,, daß auch diejenigen bürgerlichen Kreise, die kongreßpolitisch gesp(ro(chen, zu den „Allgemeinen Zionismen" gehören, sich durch die im Zusammenhang mit der Mordaffäre zutage geförderten Materialien, die einen schauderhaften Einblick in die Mentalität der palästinensischen Revisionisten eröffnen;, nicht abstoßen* lassen, die Bundesgenossenschaft der Revisionisten zu suchen.