Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1933)
- Article
- Die öffentlichen Finanzen Palästinas
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 369 (sequence 3)
- Language
- German
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Wie ungerecht das Erziehungsbudget verteilt wird, ist bekannt. Die Zahl der Schüler war im Berichtsjahre 85.672. Wenn die aufgewendeten 159.520 Pfund auf den Kopf der Schüler verteilt werden würden, so entfielen auf jeden Schüler 1,850 Pfund, verteilt man aber die 23.898 Pfund, die von der Regierung dem jüdischen Schulwerk gegeben wurden, auf die 35.228 jüdischen Schüler, so entfielen per Kopf nur 0.680 Müs. Die Regierung wendet für den nichtjtidischen Schüler vier Pfund, auf den jüdischen 1,060 Pfund auf. Aehnliches gilt für Sanität. Am 31. März 1933 betrug der Ueberschuß der Regierung nicht weniger als rund l1/^ Millionen Pfund. Inzwischen hat er sich weiter bedeutend erhöht. In den ersten vier Moftaten des Finanzjahres, 1933/34 ist ein Ueberschuß von 400.000 Pfund entstanden', so daß es gar nicht unmöglich ist, daß Ende des Finanzjahres der Ueberschuß zwei Millionen Pfund übersteigen wird. Man fragt sich, warum die Regierung bei solchem Kassastand eine zweite Anleihe aufnimmt», und wie sie heujte noch die mangelhafte Dotierung des jüdischen Teiles der Bevölkerung rechtfertigen kann. Der Voranschlag für das laufende Finanzjahr sieht Einnahmen von 2,859.745 Pfund vor, also weniger als 1932/33 eingenommen wurde. Es ist dies völlig unbegreiflich, da ja die Einwanderung und die Aufbautätigkeit eine sehr starke Zunahme erfahren haben, was vorauszusehen war. Schon die ersten Monate zeigten nicht nur, wie erwähnt, ein großes Plus gegenüber dem Vorjahr, sondern auch gegenüber dem Voranschlag. Private Schätzungen rechnen damit, daß die Gesamteinnahmen im laufenden Finanzjahr um 700.000 Pfund höher und nicht, wie die Regierung veranschlagte, um 150.000 Pfund niedriger sein werden als im Vorjahre. Die Ausgaben für 1933/34 werden von der Regierung mit 2,848.418 Pfund geschätzt, das heißt, über 300.000 Pfund mehr als im Vorjahre. Die Regierung rechnete also mit keinem Ueberschusse! Der Zustand der palästinensischen Staatsfinanzen steht einzig da in der ganzen Welt. Bei einem Budget 1932/33 von ca. drei Millionen Pfund Einnahmen ist ein Ueberschuß von l1/^ Millionen Pfund vorhanden gewesen, der aber in viel rascherer Progression steigt, als die Einnahmen selbst. Diese Ueberschüsso können nur erzielt werden, weil die Regierung in ihren Ausgaben eine nicht zu rechtfertigende Sparsamkeit anwendet. Daß der jüdische Jischub in geradezu aufreizender Weise verkürzt wird, ist unzähligemale nachgewiesen worden, aber auch für die arabische Bevölkerung tut die Regierung viel weniger, als sie sollte und müßte (siehe den Artikel von A. Böhm: „Regierung, Fellachen und Juden" in Jahrgang 1932, Heft 8/9). Niemand versteht den Standpunkt der Regierung, daß sie so hohe Ueberschüsse ansammelt, um für schlechtere Zeiten gerüstet zu sein. Dazu sind 50 o/o (und bald mehr) einer Jahreseinnahme ein viel zu hoher Betrag. Das ganze Land wird durch diese Politik in der Entwicklung zurückgehalten. Andererseits aber zeigt die Analyse der Einnahmen, daß die Besteuerung der Bevölkerung, namentlich der jüdischen, eine viel zu hohe ist. Die Werko wird von den inflationistisch aufgeblähten Grundpreisen, die ja nur Juden zahlen, eingeschätzt und eingehoben, indes die arabische Bevölkerung sie nach den lächerlich niedrigen früheren Werten zahlt. Auch die UebertragungsgebÜhren sind infolgedessen zu hoch'. Die Einnahmen aus Zöllen wachsen bereits auf eine