Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1933)
- Article
- Aus den Kolonisationsreferaten des 18. Zionistenkongresses
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 361 (sequence 11)
- Language
- German
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Existenznotwendigkeit für den werdenden Jisehub. Die Bekämpfung der Bodenspekulation wäre zunächst Sache der Verwaltung. Wohl sagte man, daß diese kein Interesse daran habe, weil ihre Einnahmen an Uebertragungsgebühren und insbesondere Steuern mit den Bodenpreisen anschwellen. Aber es sei daran erinnert, daß es die erste Tat der Verwaltung Sir Herbert Samuels« war, eine Verordnung zwecks Behinderung der Spekulation zu erlassen. Diese Verordnung wurde wegen Einspruchs nicht nur von arabischer, sondern leider auch von jüdischer Seite aufgehoben. Nur eine vereinzelte Stimme erhob sich damals in unserem Lager dagegen. Wir haben in dieser Angelegenheit einen solchen Beweis von Kurzsichtigkeit gegeben, daß wir umsomehr die Pflicht haben, die 'Regierung zur Erlassung ähnlicher Maßnahmen wie sie dort vorgesehen waren, immer wieder aufzufordern. Jene Bestimmungen lauten: daß niemand Boden kaufen kann 1. für mehr als 3000 Pfund, 2. der nicht nachweist, daß er selbst den Boden in Nutzung nimmt, 3. palästinensischer Bürger ist. Gemeinnützige Gesellschaften — und der KKL. ist als eine solche anerkannt — waren von diesen Bestimmungen ausgenommen gewesen. Sie sehen, daß damit eine vorzügliche Lage geschaffen worden wäre. Andere Mittel fliegen in ider Aenderung des Steuersystems, in den Bauvorschriften, insbesondere auch seitens der Gemeinden usw. Hier kann nur auf die Literatur, inslbesondere die Bücher von Granovsky, verwiesen werden. Jedenfalls: bisher ist von der Exekutive, soweit mir bekannt ist, nicht der geringste Versuch gemacht worden, auf die Regierung in diesem Sinne einzuwirken. Dieser Fehler muß schleunigst gutgemacht werden. Ob solche Vorstellungen Erfolg haben oder nicht, das liegt nicht in unserer Hand. Wir selbst aber müssen alles tun, was in unserer (eigenen Macht steht, der Bodenspekulation entgegenzutreten. Hier sind zunächst »zwei Mittel nicht finanzieller Natur zu erwähnen, die richtig angewendet, durchaus «nicht so wirkungslos! wären, wie es den Anschein hat. Die erste ist moralischer Natur. Nicht daß ich glauben würde, daß man mit irgendwelchen Sittensprüchlein die Erwerbsgier wirksam bekämpfen könnte, Aber ich glaube, daß wenigstens bei uns selbst, den Sachwaltern und Angehörigen der Zionistischen Organisation, das KKL.-Prinzip wie ein rocher de bronce dastehen müßte. Die erste Londoner These lautete: „Das Grundprinzip der zionistischen Bodenpolitik ist, den Boden, auf dem die jüdische Kolonisation erfolgt, in das Gemeineigentum des jüdischen Volkes zu überführen. Die Exekutive «wird aufgefordert, alles aufzubieten, um diesen Grundsatz zur vollen Durchführung zu bringen." Was aber sehen wir in den vordersten Reihen der Vorkämpfer des Zionismus und bester Pioniere der Arbeit in Erez Israel? Als der Fall Kabani zeigte, daß die private Spekulation sich so gar nicht scheute, Boden, über den der KKL. verhandelte, an sich zu reißen und den KKL. im Preise überbieten.' zu wollen, als sich die Erregung über die Spekulation dem ganzen Jischuw mitteilte, da schrieb einer der angesehensten Männer unserer Bewegung im „Boustnai" Nr. 45, daß das Recht des KKL. kein größeres sei, als dasjenige jedes Einzelnen, der nach Palästina kommt, um Boden zu erlösen. Nicht um Nationalisierung, sondern die Erlösung des Bodens hanJflle es sich. — Das ist der Standpunkt von anno Chowewe Zion, der Zeit vor der Gründung der großen politischen Organisation Herzls, deren Erziehungsarbeit anscheinend völlig ergebnislos geblieben ist.