Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1933)
- Article
- Aus den Kolonisationsreferaten des 18. Zionistenkongresses
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 358 (sequence 8)
- Language
- German
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zeuge vorzubereiten, ohne die es unmöglich' ist, die vielförmigen Ernährungsquellen einer Volkswirtschaft zu schaffen. Wir murren über unsere allzu große Verbundenheit mit den Citruspflanzungen und über den Mangel an Mitteln, diesen oder jenen Zweig einzuführen, oder darüber, daß der oder jener landwirtschaftliche Industriezweig uns fehlt. Und niemanden fällt es ein, daß die zur Schaffung einer solchen Industrie nötigen Werkzeuge noch nicht erzeugt sind, die erste Zange, mit deren Hilfe alle anldören gemacht werden. Beispiele gibt es unzählige. Nehmen wir nur einige: Solange die mediterrane Fruchtfliege im Lande herrscht, zu allen Jahreszeiten hinreichend Nahrung findet und in ihrem Flug von Frucht zu Frucht die Citrusfrüchte gefährdet, gibt es keine Vielgestaltigkeit der Pflanzungen. Das Kuhfieber nimmt der Milchindustrie einen Teil ihrer Konkurrenzfähigkeit, ebenso eine gewisse Geflügelkrankheit. Viele Schäden treffen die Citrusfrüchte, wenn sie noch auf dem Baume sind, und dazu kommen noch Schäden wähnend des Transportes, welche die ursprüngliche Qualität mindern und beträchtliche Schäden verursachen. Ohne grundlegende chemische Vorstudien über die Art der Früchte in bezug auf ihre Natur, Qualität, Verhältnis zum Boden und zum Wasser, gibt es keine Konservenindustrie und keine entsprechend entfaltungsfähige Nebenproduktion;, ebenso wie kein Bau möglich ist ohne Lot und Wasserwaage. In den Augen des strengen Kritikers, der hochtrabend von der Vielgestaltigkeit der Wirtschaft spricht,, wird derjenige, dex nach der Ursache des Kuhfiebers forscht, wie ein Sonderling erscheinen, der sich mit abstrakten Wissenschaften befaßt und von Stall zu Stall stolpert, um Kälber für Forschungszwecke zu sammeln. Und wonach jagt der Forscher der Schädlinge: nach einer Fliege oder Mücke. Und wer seine Forschung auf Schwämme und Pilze richtet, scheint sich überhaupt nicht mit realen Dingen zu befassen. Aber all diese „Müßiggänger", die sjich angeblich nur zum Schein mit Theorien befassen, sie sind die Schöpfer der Werkzeuge, ohne die die Errichtung einer starken Volkswirtschaft in unseren Tagen sich nicht verwirklichen läßt. Beschaffung von Baumaterialien. Die Landwirtschaft war in den ersten Anfängen eine Kunst, die sich traditionell vom Vater auf den Sohn vererbte. Heute ist sie Kunst und Wissenschaft zugleich. Und ohne Forschung kommt man keinen Schritt vorwärts. Man kann nicht auf Grund von Analogien in anderen Ländern lernen, selbst nicht von jenen, die uns klimatisch ähnlich sind. Bücher einer Wissenschaft, die unter anderen Bedingungen geschaffen wurden, können nicht unser Wegweiser sein. Immer muß man die Erde selbst befragen, und von ihr eine klare Antwort erwarten. Aber «die Erde gibt nicht so rasch Antwort wie etwa das Telephon. Ein Augenblick dauert bei ihr ein Jahr, Und in jedem Jahr können ihre Antworten anders sein, negativ oder positiv. Schlüsse kann man erst aus einer ganzen Folge von Jahren ziehen. Die Versuchsperiode mit Fruchtbäumen dauert noch länger. Der lerste Erfolg muß nicht von Dauer sein. Vergangene Versuche können uns «als Warnung für die Zukunft dienen. Wir haben einen ganzen Friedhof von Versuchen, die im Kampf um unsere Erhaltung?,auf dem Felde der Ehre fielen". Die berühmten französischen Oliven gediehen in den ersten Jahren in Erez Israel sehr gut. Auch viele andere Obstbäume versprachen Erfolge, bis isich Schäden zeigten, die sie zerstörten und „aus der Front" zogen. Wie leicht list der bekannte Rat: Versorgt die Millionenstädte mit Früh- oder Spätfrüchten. Und wie weit ist der Weg vom Wort zur Tat! Von vielen Ver-