Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1933)
- Article
- Der Entwicklungsgang der Arbeiter-Krankenkasse in Palästina
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 349 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2379786-2379908-2379914-2398928--16157-2399180- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Verhandlungen darüber werden schon jahrelang geführt — in Jerusalem, in London und im Arbeitsamt in Genf. Da gab es eine gute Ausrede', man könne nicht besondere Gesetze bloß für die jüdischen Arbeiter schaffen und der arabische Arbeitgeber wäre noch nicht so weit fortgeschritten, daß für ihn ein solches Gesetz passen würde. Also auch hier wieder „politische" Momente und wo die „Politik" auf das Tapet tritt, Jhört der einfache Menschenverstand aui. Nun geschah aber etwas Merkwürdiges. Auf fortwahrenden Druck der Arbeiterorganisation setzte die Regierung eine Kommission zwecks Studiums der Krankenkassenfrage ein. Und da stimmten alle zivilen Teilnehmer, Juden sowohl als Araber, geschlossen für ,den Ausbau einer obligatorischen Krankenversicherung, die englischen Beamten, die wie immer in solchen Kommissionen die Mehrheit bildeten^ stimmten bis auf einen dagegen. Und so ist die Sache wieder ad calendas graecas aufgeschoben. Es wurde auch von der Regierung eine Beteiligung an der Erhaltung des Spitales im Emek gefordert, es kam sogar zur provisorischen Schließung des Spitales, — die Regierung zeigte auch hier gar kein Verständnis. Sie bewilligte nur eine einmalige Summe zur Erbauung eines Hauses für das Personal des Emekspitales, aber von einer beständigen Beteiligung am Budget diesesj Spitales wollte sie nichts wissen. Auch da fand der Sanitätschef der palästinensischen Regierung seine Argumente: Sanierung des Landes unjd der Bevölkerung, Sorge für Hospitalisierung Infektionskranker etc., das ist Sache der offiziellen Sanitätsbehörden und das gedenkt sie in eigenen Instituten zu machen. Eigentlich ein ganz akzeptabler Standpunkt. Nun gibt es ja zwei Völker ganz verschiedenen Kulturgrades und bekanntlich darf eine hohe Sanitätsbehörde keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Völkergruppen machen. Es wird also „nivelliert". Anstatt aber auch den arabischen Kranken weißes Brot, gut zubereitetes Fleisch in reinem, weißen Geschirr vorzusetzen, wird dem jüdischen Kranken die arabische „Pita" (Brotfladen) vorgesetzt und er unter den denkbar primitivsten Verhältnissen behandelt. Es wird novelliert, freilich auf das niedrigste Niveau herunter. Ist es verwunderlich, wenn die jüdischen Kranken sich weigern, in die Regierungsspitäler zu gehen. Nichtsdestoweniger verlangt die Kassenleitung von ihren Mitgliedern auch unter diesen primitiven Verhältnissen sich in den Regierungsspitälern aufnehmen zu lassen und für eine Verbesserung der Verhältnisse dortselbs ti zu kämpfen. Ausbau der medizinischen Hilfe. Trotz der kritischen Zeit setzen wir unentwegt unsere Arbeit fort im Sinne des Ausbaues der medizinischen Hilfe und der Hebung des ärztlichen Niveaus. Im Laufe dieser Periode wurde eine Reihe von Erleichterungen und Verbesserungen durchgeführt. Die Mitgliedsbeiträge der landwirtschaftlichen Siedler wurden erniedrigt, die Dauer der Berechtigung, Krankengeld zu bekommen, wurde bei chronisch Kranken erhöht. Die bestehenden Institute für physikalische Therapie wurden weiter ausgebaut und neue geschaffen. In Haifa wurde ein schönes, mustergiltiges Gebäude für das Zentralambulatorium errichtet und unter anderem ein eigenes Röntgeninstitut errichtet. In einer Reihe von Diörfern, wie: Rehoboth, Nahalal, Jarkonah, Tel-Josef, Kfar-Jecheskel, Wadi el Chawereth etc. wurden ebenfalls neue Gebäude für die Ambulatorien errichtet. Jetzt gehen wir daran, eigene Häuser für die Ambulatorien in Jerusalem und Tel-Aviv zu errichten.