Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1933)
- Article
- Der Entwicklungsgang der Arbeiter-Krankenkasse in Palästina
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 348 (sequence 4)
- Language
- German
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terung der finanziellen Not dem gesamten Personal ca. 5 o/o und in letzter Zeit die übrigen 5 o/o zurückzuerstatten. Der zweite und wichtigste Träger der Lasten ist das Kassenmitglied. Der jüdische Arbeiter, der zu einer Zeit, da die medizinische Hilfe im Lande geradezu umsonst auf den Straßen angeboten wurde, es instinktiv begriffen hat, ein Organ der Selbsthilfe und der gegenseitigen Hilfe in Form der Kupat- Cholim zu schaffen, er begriff auch jetzt cdie Notwendigkeit, das von ihm geschaffene Institut nunmehr fast ganz auf eigenen Schultern zu tragen. Und tatsächlich wurden einschneidende Maßnahmen zu Ungunsten des Mitgliedes getroffen. Die Mitgliedsbeiträge wurden zuerst um einen, dann um noch! einen Piaster per Monat erhöht. Die Familienmitglieder, die sonst alles, was an medizinischer Hilfe in den eigenen Ambulatorien zur Verfügung stand, umsonst erhielten, mußten zustimmen, für gewisse Spezialgebiete (Neurologie, Urologie und Orthopädie) eine Summe von zwei Piaster für jeden Besuch zu bezahlen, sowie für die Medikamente, je nach Art und Menge und einen Piaster für jedes Rezept zu bezahlen. Schon vorher waren niedrige Tarifsätze für physikalische Therapie festgesetzt worden. Das alles gilt nur für die Angehörigen der Mitglieder; die Mitglieder selbst bekommen nach wie vor die gesamte Hilfe umsonst. — Ferner mußten leider die Unterstützungen für die Gebärenden, die nicht selbst Mitglieder sind, gestrichen werden. Ferner wurden die Gebühren in den Erholungsheimen um zwei Piaster täglich erhöht und die Reisegebühren der Kranken innerhalb der einzelnen Bezirke ganz aufgehoben. Zuletzt wurden einige strengere Maßnahmen bei Bezug von Krankengeldern eingeführt. Aber der Weg, den die Kassenleitung gegangen ist, indem die Lasten vorübergehend auf das Personal und hauptsächlich auf die Kassenmitglieder abgewälzt wurden, war ein zu leichter, als daß die Leitu'ng ihn ohne weiteres gewählt hätte, ohne sich um andere Stützen umzuschauen. Der Arbeitgeber, der in unserem Budget mit 6000 bis 7000 Pfund jährlich erscheint, ist unter den Arbeitsbedingungen in Palästina nicht leicht zu erfassen und seitdem eine Partei der bestehenden Arbeiterorganisation offen den Kampf» erklärt hat, finden sich immer kleinere Arbeitgeber und Pardeßbesitzer, die ihre kleinlichen materiellen Interessen hinter einem großen, „heiligen" Prinzip verbergen und so ist trotz der Prosperität im Lande sogar ein Niedergang in den Einnahmen von Seiten der Arbeitgeber zu verzeichnen! In allen früheren Budgetaufstellungen der Kupat-Cholim traten die Prozentzahlen der Beteiligung der Jewish Agency deutlich hervor, aber noch krasser trat die große runde Null, mit der sich die Regierung an unserem Institute beteiligt, hervor. Nun, da in unserem Budget auch die Jewish Agency mit einer großen Null auftrat, ist es nicht natürlich, daß die eine Null diezweite verdrängen sollte? Durften wir nicht erwarten, daß die Regierung, die in ihren Jahresberichten soviel Gutes über die Kupat-Cholim zu erzählen weiß und ungewohnte Lobeshymnen über unsere Institute singt, daß diese Regierung in Zeiten der Not uns ordentlich unter die Arme greifen wird, um diese wichtigen Institute zu stützen? Wir ließen auch diesen dornenvollen Weg der Verhandlungen und des Kampfes mit den Regierungsbehörden nicht unversucht. Vergebens! Zuerst handelte es sich um das Gesetz der obligatorischen Krankenversicherung. Die