Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1933)
- Article
- Stand und Aussichten der palästinensischen Chemikalienwirtschaft
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 342 (sequence 4)
- Language
- German
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letzter Zeit hat die Haifaer Niederlassung der I. C. I. damit begonnen, sich für dieses Material zu interessieren, aber es ist noch nicht ganz zu übersehen, ob dieses Interesse ein dauerndes bleiben wird. Bituminöser Kalkstein kommt in verschiedenen Landesteilen vor, die bisherigen Nutzungsmethoden sind aber noch recht unvollkommen). Die Versuche zu einer rationellen Gewinnung sind zweifellos nicht aussichtslos. Man hat berechnet, daß 100.000 Tonnen des palästinensischen Materials etwa 40.000 Tonnen Kalk und 8500 Tonnen Rohöl ergeben können, das ist keine ungünstige Relation. Die Schwefelvorkommen von Ghaza sind nicht die einzigen, aber die wichtigsten Palästinas (Gruppe 4). (Vgl. hiezu und den anderen Ausführungen die Artikel des Chefgeologen G. S. Blake: „Die Mineralschätze Palästinas" [Jahrgang 1930] und „Die Mineralftijdustrie von Palästina und Transjordanien", [Jahrgang 1933, Heft 3/4] — Die Red.) Sie erstrecken sich über ungefähr einen Quadratkilometer und werden seit 1932 durch die Sulphur Quarries Ltd. ausgebeutet, in der arabisches Kapital arbeitet. Die Vorkommen sind im Kriege entdeckt worden. Seit 1920 wurden sie sehr genau durdhprospektiert und es wurde hierbei festgestellt, daß die Schwefelerze im Tagbau zu sehr günstigen Bedingungen gebrochen werden können. Die Erze stehen in zwei verschiedenen Formen an. Der Haupterzkörper besteht aus Sandstein, der mit geschmolzenem Schwefel imprägniert ist. Der durchschnittliche Gehalt an freiem Schwefel beträgt annähernd 30 <Vo. Dieser Erzkörper tritt an manchen Stellen fast zw Tage, größtenteils liegt er in einer Tiefe von nur wenigen Fuß unter der Oberfläche. Fernerhin ist eine Schicht von kristallinischem Schwefel in sandiger Gangart in einer Mächtigkeit von 3—14 Metern vorhanden, bei der der Gehalt an freiem Schwefel rund 17 o/o beträgt. Insgesamt stehen mehrere Millionen Tonnen derartiger Schwefelerze an. Sicher ist soviel, daß in einer Tiefe, die nur bis zu drei Meter geht, mindestens 600.000 Tonnen abgebaut werden können. Das Produktionsprogramm sieht die Erzeugung eines fein gemahlenen Materials mit einem Reinheitsgrad von etwa 96 o/o vor. Die Gesellschaft hat die Absicht, ihre Erzeugung zum großen Teil zu exportieren. Das Unternehmen' tritt hiermit in Konkurrenz zum amerikanischen und italienischen Schwefel mit seinen Riesenproduktionen. Immerhin wäre es denkbar, daß der „Empire-Gesichtspunkt" dem palästinensischen Schwefel ebenso zugute kommt, wie dem palästinensischen Kali. Aber man darf nicht vergessen, daß England auf Elementarschwefel bei seiner Bedarfsdeckung keineswegs angewiesen ist. So hat es beispielsweise auf Cypem die Möglichkeit, ca. 150.000 Tonnen Schwefel im Jahre aus Schwefelkiesen zu beziehen, ferner liefert Kanada derartigen Schwefel und schließlich hat die englische Rio Tinto-Gruppe, die bekanntlich im spanischen Huelva-Distrikt tarbeitet, eine sehr beträchtliche Produktion von Sekundär-Schwefel, und sie hat begreiflicherweise kein Interesse daran, gerade im Rahmen der britischen Weltreichssphäre neue Produktionen von Bedeutung entstehen zu sehen. Mir scheint, als ob der volkswirtschaftliche Wert der Schwefelproduktion von Ghasa auch weniger im Export des gewonnenen Materials liegt, als in der Verwendung desselben im Lande. Palästina hat beispielsweise bisher keinerlei Schwefelsäureproduktion, es fehlt ihm also eine der wichtigsten chemischen Schlüsselindustrien, wie ja überhaupt die Gewinnung von Mineralsäuren im Lande bisher nicht aufgenommen worden ist. Ich glaube, daß dieser Mangel wenigstens in bezug auf Schwe-