Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1933)
- Article
- Stand und Aussichten der palästinensischen Chemikalienwirtschaft
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 341 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2379786-2379908-2379914-2398927--16148-2399172- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
sen häufig annimmt. Immerhin würde eine Produktion von 100.000 Tonnen Ghlorkalium, die ja im wesentlichen zur Ausfuhr gelangen wurde, für die palästinensische Wirtschaft mit ihren kleinen Dimensionen von Bedeutung werden, mag sie auch nicht so groß sein, wie dies vielfach in unuinterrichteten Kreisen dargestellt worden ist. Wichtig erscheint mir aber der Hinweis darauf, daß das Tote Meer die einzige „Kaliquelle" darstellt, die, mit Ausnahme der kleinen Kalisalpetergewinnung in Britisch-Indien, die nur wenige 1000 Tonnen jährlich umfaßt, im Interessenbereich des britischen Weltreiches liegt. Die Ottawa- Politik der Engländer gibt dem palästinensischen Kali eine Absatzchance, die man vor einigen Jahren noch nicht als gegeben bezeichnen konnte. Ich selbst habe seinerzeit, als die Konzessionsfrage am Toten Meer akut wurde (Jüdische Rundschau Nr. 24/25, vom 28. März 1929) die Absatzmöglichkeiten für große Mengen palästinensischen Kalis als problematisch bezeichnet. Inzwischen dürfte aber die Neigung der Engländer, das Kali dieser Herkunft in ihrem Interessengebiet zu bevorzugen, gewachsen sein, die Pfundentwertung spielt gegenüber; den beiden Hauptproduktionsländern Deutschland und Frankreich, die ja wenigstens bisher Goldwährungsländer geblieben sind, ebenfalls eine Rolle, und schließlieh hat es sich inzwischen gezeigt, daß das Produktionsprogramm der P. P. C. viel bescheidener ist, als man damals auf Grund von Meldungen, die sich erst nachher als ziemlich unverantwortliche Sensationsmeldungen heraush stellten, vermuten konnte. Sehr wichtig scheint mir neben der Kaligewinnung die an Brom und Bromsalzen zu sein. Es handelt sich ja hierbei um viel hochwertigere Materialien. Den Wettbewerb des palästinensischen Broms verspürt die deutsch-französische Bromkonvention schon jetzt. Es ist sicherlich nicht nur eine Krisenerscheinung gewesen, daß die deutsche Bromausfuhr nach England im Jahre 1930 noch 1652 Dz. umfaßt hat und im Jahre 1932 nur noch 790 Dz. In dem letztgenannten Jahre hat nämlich England bereits nennenswerte Mengen palästinensischen Broms verbraucht. Für Palästina selbst ist die Gewinnung von Kalisalzen aus der Lauge des Toten Meeres landwirtschaftlich gesehen, nicht sehr bedeutungsvoll. Der Bedarf des Landes an Kunstdünger ist zunächst noch sehr klein. Die Einfuhr hat insgesamt im Jahre 1932 nur 6028 Tonnen im Werte von 52.431 pal. Pfund betragen. Hierbei hat es sich aber im wesentlichen um stickstoffbetonte Dünger gehandelt, die im Lande selbst nicht produziert werden und deren Absatz sich der Britische Chemietrust im Rahmen der internationalen Stickstoffkonventionen für Palästina vorbehalten hat. Daneben wurden phosphorsäurebetonte Düngemittel in geringem Umfange eingeführt, teilweise auch aus Deutschland. Ueber die Gewinnungsmöglichkeiten für solche Düngemittel im Lande selbst soll weiter unten noch gesprochen werden. Die Rohstoffgruppe 2, Asphalt und bituminöser Kalkstein^ hat zur Zeit in der palästinensischen Wirtschaft noch keine größere Bedeutung. Asphalt wird — ich folge in diesem Punkte djer Darstellung von Bonne in seinem Buch „Palästina, Land und Wirtschaft" — im wesentlichen beim Wadi Mojib, En Gedi und Masada gefunden. Außerdem findet man reinen Asphalt fast überall an der Küste des Toten Meeres. Bonne ist der Meinung, daß eine Verwertung des Bitumen in größerem Maßstabe möglich sein wird, wenn genügende Mengen zu konkurrenzfähigen Preisen gesammelt und geliefert werden können. In