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Palästina · 1933-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1933) · p. Seite 332

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
16 (1933)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1933)
Article
Zum Problem der staatsbürgerlichen Erziehung in Palästina
Date
1933-10-01
Page
Seite 332 (sequence 4)
Language
German
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332 °^er Sar a^s Staat gesehen, in einer sehr ähnlicihen Lage, wie Deutschland und Italien, die beide so spät und erst nach so schmerzvollem Ringen erst ihre nationale Einheit gefunden haben und sie wohl deshalb heute vergötzen, während etwa Trankreich und England nach jahrhundertlanger Gewöhnung nun allmählich gelernt haben, etwas vorsichtiger mit dem gefährlichen Biesenspielzeug des Staates umzugehen. Besonders tief: denn unsere nationale Geschichte hat den Zwangsstaat innerlich — nämlich in der Prophetie — längst überwunden, bevor er ihr von außen her genommen ward. Die religiöse und geistige Vorwegnahme eines historischen Schicksals ist eine der Antworten, die sich auf das Wunder unserer Fortexistenz wagen läßt. Faschismus bedeutet also bei uns nicht nur eine Reaktion bis in vorsamuelisehe oder jedenfalls bis in vorjeremiahische Zeit, sondern er tastet den innersten Lebenskern unseres Volkstums an, soweit uns der nicht etwa auch gegen uns selbst verbürgt sein sollte. Aus diesen Voraussetzungen ergeben sich die folgenden Thesen, die noch nicht den Inhalt jüdisch-staatsbürgerlicher Belehrung betreffen, sondern die allgemeinen Eigenschaften, über die der Lehrer verfügen und die er bei den Schülern ausbilden muß.*) 1. Die theoretischen Fächer ermöglichen und fordern die Gewöhnung an freie Diskussion. 2. Diese Diskussionen zwingen alle Teilnehmer, mit anderen Meinungen zu rechnen, sie geduldig mit anzuhören, ja: sie in völliger Treue wiederzugeben. 3. Am Ende der meisten Diskussionen wird eine bestimmte Entscheidung stehen, die den Wert der personhaften Entscheidung nach der objektiven Prüfung der Argumente und Stellungnahme bezeugt. 4. Ein gewisser Teil der Diskussionen wird unentschieden bleiben und bezeugt so das Fehlen absoluter Sicherheit, das unserer Vernunft in bestimmten Fällen auferlegt ist. 5. Oft wird Gelegenheit sein, sich in den Formen des politischdemokratischen Lebens durch Protokollführung, Abstimmungen, Diskussionsleitung durch Schüler usw. zu üben. Dabei darf nur eine echte, der Situation wirklich angepaßte Selbständigkeit der Schüler jeweils hervortreten, nicht eine parlamentarische Scheinaktivität unter der faktischen, wenn auch halb unsichtbaren Leitung des *) Di« Thesen sind hier wörtlich atms dem Hebräischen übersetzt, um die Form zu wahren, in der sie der obenerwähnten Tagung in Haifa vorgelegt worden sind.

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