Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1933)
- Article
- Zum Problem der staatsbürgerlichen Erziehung in Palästina
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 331 (sequence 3)
- Language
- German
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Worten, um in der Frage des staatsbürgerliehen Unterrichtes einen 331 festen Ausgangspunkt zu gewinnen. Was das Allgemeine anbetrifft, so handelt es sich zunächst um die umstrittene Grundvoraussetzung der Zulässigkeit verschiedener Meinungen innerhalb des Lehrerkollegiums und zwischen Lehrer und Schüler. Es ist Mode geworden, diese Zulässigkeit mit dem Schlagwort vom „vergangenen liberalistischen Zeitalter" abzutun. Diese bequeme Negation verwechselt aber zwei Dinge: die in der Tat keiner Wirklichkeit gemäße Standpunktslosigkeit einer individualistisch aufgespaltenen Toleranz und Relativität, in der alle Hechte haben, weil keiner Recht hat, mit der Breite und Festigkeit eines wohlerrungenen -and gegen Zweifel immer neu erkämpften Standpunktes, der davon weiß, daß die volle und ganze Wahrheit nicht für uns Menschen ist und daß also keine einzige Menschengruppe oder gar ein einzelner sie ausschließlich für sich in Anspruch nehmen dürfte. Diese religiöse Relativität der Wahrheit, die gerade in ihrer transcedenten Absolutheit verankert ist, bedeutet etwas grundsätzlich anderes, als der Relativismus einer „Psychologie der Weltanschauung": nicht wird im psychologischen Museum oder im philosophischen Katalog die bunte Tafel der möglichen Weltanschauungen "typologisch nebeneinandergestellt, sondern es wird die Teilwahrheit gesucht und bewährt, die ein Mensch in seiner Gemeinschaft zugewiesen bekommen hat. Kennt er sie aber und weiß er um ihrein Teilcharakter, so ist er nicht nur fest, sondern auch duldsam geworden: anderen ist anderes in gleicher Absolutwert zugeteilt, wie ihm das seine. So bleiben verschiedene Meinungen und — ganz wörtlich, ja: kreaturlich genommen — „Stand-Punkte" weiterhin möglich und nötig, und wieder neu steht am Beginn der Belehrung die Diskussion, das lebendige Streitgespräch. So hätten wir einen ersten Grundsatz gefunden. Die Freiheit der Meinung und der Schutz der freien Meinungsäußerung, vomLiberalismus so oft atomistisch mißbraucht, müßten auch in die Zeit einer neuen Bindung, in die wir eintreten, hinübergerettet werden. Sie sind zwar an sich noch keine geistigen Werte, wie der Liberalismus wohl manchmal glaubte oder glauben machte, aber sie sind Vorbedingungen jeder echten geistigen Arbeit. Für unsere jüdische Erziehung steht diese Erkenntnis in noch besonderer Geltung. Die Gefahr des Faschismus, das heißt hier: der Aufstellung politischer und geistiger Dogmen und ihre Durchsetzung durch den Zwang der Gewalt, bedroht uns besonders nahe und besonders tief. Besonders nahe: denn wir sind, als Volk