Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1933)
- Article
- Zum Problem der staatsbürgerlichen Erziehung in Palästina
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 330 (sequence 2)
- Language
- German
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330 e*nem Vierteljahr mit dem Spezialthema des staatsbürgerlichen Unterrichtes stattfand.*) Auch in der Presse und in den hier sehr beliebten „Literarischen Gerichten" wurden die Erörterungen fortgesetzt, wobei sie zum Teil die etwas ungerechte Form einer Anklage gegen die palästinensische Jugend annahmen. Jedenfalls wird die Frage nun nicht mehr verschwinden. Wie ist ihr geistiges Gesicht? Und welche Wege führen zur Lösung? II. Die außerordentliche Schwierigkeit des Problems gerade für uns war wohl mit eine der Ursachen für seine Zurückstellung bis heute. Wir sollen „staatsbürgerlich" erziehen, aber der „Staat", innerhalb dessen wir es einzig tun können, das britische Imperium und sein Mandatsgebiet Palästina, ist nur in einem sehr beschränkten Sinne unser Staat. Vereinfachen wir das Thema zur „Heimatkunde", wie es weitgehend in den Volksschulen tatsächlich geschieht, so ergibt sich sofort, daß diese Heimat für vorläufig unabsehbare Zeit von einer andersnationalen, nämlich arabischen Mehrheit mitbewohnt wird. Und erweitern wir es schließlich zur „Volksbürgerkunde", wie sie gewissen theoretischen Forderungen der Bewegung für das Deutschtum im Auslande zu entnehmen wäre, so führt uns der Blick in wohl alle Länder des Weltkreises und in die nach Geschichte und Zusammensetzung heterogensten Judenheiten hinein. Die Aufgabe ist also erheblich schwieriger als bei irgend einem anderen Volke. Die Unnormalität unserer nationalen Existenz spiegelt sich auch in ihr. Wer an ihre Lösung herangehen will, muß in den hier angedeuteten Fragen nicht nur umfangreiche Kenntnisse, sondern feste Stellungnahme sich erworben haben. Er muß wissen, wie er zur Frage der Verwaltung Palästinas durch die Engländer steht, wie etwa er sich das Zusammenleben mit den Arabern heute und in der Zukunft vorstellt und wünscht, und wie er das gegenwärtige Leben und die Chancen der Diasporajuden beurteilt und einschätzt. Es ist ohne weiteres klar, daß diese Entscheidungen je nach Partei- und persönlicher Einstellung sehr verschieden ausfallen werden. Daher wird auch die Staatsbürgerkunde keine einheitliche Grundlage haben, sondern sich in verschiedene Typen aufspalten. Der mir richtig erscheinende sei im Folgenden aufgezeigt. Es gilt zunächst, einige allgemein weltanschauliche Vorfragen und dann einige jüdische weltanschauliche Vorfragen zu beant- *) Die folgenden Ausführungen sind teilweise einem Referate des Verfassers auf dieser Haifaer Tagung entnommen.