Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1933)
- Article
- Jewish Agency. Von Spectator.
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 272 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379908-2379913-2398397--15805-2398732- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
sehen diesen zwei Gruppen z. B. auch auf dem bevorstehenden Zionistenkongreß, möglich sein wird. So groß auch der Abscheu vor dem furchtbaren Verbrechen ist, hat man im übrigen doch nicht den Eindruck, als ob sich hier^ durch eine unübersteigbare Kluft zwischen den Revisionisten und den ande- »en bürgerlichen Parteien auf getan hätte. Im Gegenteil, die Kongreß wählen haben gerade der extremistischen Revisionistengruppe, die von Jabotinsky geführt wird, einen weit größeren Erfolg gebracht, als der abgespaltenen Gegengruppe der bisherigen Exekutive Großmann-Stricker, die auf dem Kongreß zu völliger Bedeutungslosigkeit verurteilt sein wird. Zwar haben die Arbeiterparteien in Palästina 70 o/o der Stimmen erhalten, auch in Polen dürften sie etwa die Hälfte aller Mandate bekommen, aber die zweitgrößte Partei nach den Arbeitern werden vielleicht auch diesmal die Jabotinsky- Revisionisten sein. Dies will viel bedeuten, wenn man bedenkt, daß die Wahlen in einem für die Revisionisten sehr ungünstigen Zeitpunkt — unmittelbar nach dem Mord — stattfanden. Die Zusammensetzung des Kongresses steht noch nicht fest, aber die Zweifel an der Richtigkeit der parlamentarischen Methode, die seit zehn Jahren große zionistische Kreise erfüllen, sind durch die letzten Vorgänge nur verstärkt worden. Man fragt sich, welchen Nutzen ein Kongreß bringen kann, der im Grunde nur ein Bild innerer Parteizerrissenheit und damit zugleich auch der Ohnmacht bietet. Dazu kommt noch, daß ein wirklich führender Kopf nicht vorhanden ist. Mußte man schon auf früheren Kongressen die Führerlosigkeit beklagen, die einem uferlosen Herumdebattieren Raum gab, ohne daß oft bis zur letzten Minute ein klares Zijel der Tagung* ersichtlich war, so wird das jetzt noch empfindlicher in Erscheinung treten, da die Führergestalt Dr. Weizmanns auf dem letzten Kongreß l>eseitigt wurde, der klare Kopf Arlosoroffs diesmal fehlen wird und von dqr bestehenden zionistischen Leitung in den ganzen zwei Jahren ihres Amtierens außer schwächlichen Banalitäten kein zündendes Wort vernommen worden ist. Man fragt sich besorgt, wie der Kongreß der inneren Zwistigkeiten Herr werden soll. Dazu kommt noch, daß heute ein Zionistenkongreß in einem bisher noch nicht dagewesenen Maß unter dem Scheinwerferlicht der öffentlichen Aufmerksamkeit steht, weil die Judenfrage noch nie so wie bisher das allgemeine Weltinteressej erregt hat. Die Jewisli Agency befindet sich also, wenn man all dies bedenkt, in einem recht kritischen Stadium ihrer. Existenz. Man hat im letzten Jahre, bevor Deutschland die ganze Aufmerksamkeit auf sich zog, viel über die Notwendigkeit einer Reorganisation der Agency gesprochen. Das Fifty - Fifty - Prinzip hat sich nicht bewährt, da die Nichtzionisten den von ihnen erwarteten Anteil an der Aufbauarbeit nicht geleistet^ hatten. Die führenden Persönlichkeiten der nichtzionistischen Hälfte waren allmählich von der Bildflädhe verschwunden. Der Pakt von Zürich schien revisionsbedürftig. Aber auch die Formen der Zionistischen Organisation selbst sollten entsprechend reformiert werden. Mehrere Tagungen waren diesen Problemen gewidmet, aber es ist nicht bekannt, ob irgendwelche Resultate erreicht wurden. Heute erscheint diese Frage in einem ganz neuen Lichte. Fraglos hat die alte Agency-Masdhinerie nicht funktioniert, aber auch die zionistische Maschinerie ist nicht mehr recht brauchbar, und es wäre wahrscheinlich wenig gewonnen, wenn man nur die nichtzionistische