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Palästina · 1933-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1933) · p. Seite 271

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Journal
Palästina
Volume
16 (1933)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1933)
Article
Jewish Agency. Von Spectator.
Date
1933-07-01
Page
Seite 271 (sequence 4)
Language
German
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Errichtung einer neuen Existenz durch Geldknappheit behindert ist. Man hofft, mit den deutschen Behörden zu einem Abkommen zu gelangen, das wenigstens eine teilweise Mitnahme des Vermögens von Auswanderern in einer den deutschen Devisenstand nicht beeinträchtigenden Form ermöglicht Ferner verdient ein Plan Erwähnung, eine Einwanderung von Kindern und Jugendlichen zu organisieren, damit die jüdische Jugend Deutschlands, die in Deutschland keine Existenzaussiohten hat, durch einen entsprechenden Erziehungsgang in Palästina selbst für ein Leben im Lande vorbereitet wird. Mitten in diesen Plänen und Arbeiten hat die Jewish Agency einen schweren Verlust durch die Ermordung ihres führenden Mannes, Dr. Chajim Arlosoroff, erlitten. Arlosoroff kam von einer Europareise aus London und Deutschland zurück, als er am 16. Juni in Tel-Aviv der Mörderhand zum Opfer fiel. Es ist keine Uebertreibung, wenn man sagt, daß dieser Verlust unersetzlich ist. Arlosoroff war zweifellos der begabteste Repräsentant der jüngeren zionistischen Generation. Er war ein geborener Führer, der es auch verstanden hat, nicht nur seine engeren Parteigenossen, sondern die jüdischen Massen mitzureißen und für die Idee einer jüdischen nationalen Erhebung und sozialen Neugestaltung zu gewinnen. Zugleich war er einer der wenigen — wenjn nicht der einzige — der sich in die englische Kliltwr und Denkweise, in englische politische Methoden und sogar in die Literatur wirklich so eingearbeitet hatte, daß er, der russische, in Deutschland erzogene Jude, eine gemeinsame Sprache mit den Engländern fand und dadurch der natürliche Fürsprecher der jüdischen Sache vor dem englischen Forum wurde. Arlosoroff war ein glühender Nationalist und seine zionistischen Träume machten vor keinen Einschränkungen Halt, zugleich aber war er ein nüchterner Realpolitiker, der die Kräfte wohl abzuwägen wußte und erkannt hatte, daß Politik die Kunst des Möglichen ist, daß ein großer Unterschied zwischen gefühlsmäßiger Propaganda und fundierter politischer Aktion besteht. Sein Bekenntnis zu den politischen Methoden Dr. Weizmanns hat ihm viele Gegner in den extremistischen zionistischen Reihen eingetragen. Niemand aber hätte erwartet, daß dieser auch von seinen Gegnern hochgeschätzte Führer einer jüdischen Mordkugel zum Opfer fallen wird. Dennoch scheint, obwohl die Mörder noch nicht überführt sind, kaum ein Zweifel daran zu bestehen, daß Arlosoroff von jüdischen Gegnern ermordet worden ist. Es braucht hier nicht des Näheren dargelegt zu werden, was dieser Umstand moralisch bedeutet, zumal in der gegenwärtigen europäischen Situation des Judentums, das gerade einen Moment stärkster Konfrontation mit dem agressiven Nationalismus erlebt. Nach dem Morde wurden von der Polizei mehrere Mitglieder der revisionistischen Partei Palästinas verhaftet, die Untersuchung gegen sie wird, während diese Zeilen geschrieben werden, noch fortgeführt, und es wäre übereilt, von gegebenen Tatsachen zu sprechen, solange nicht das Ergebnis der Untersuchung feststeht. Aber es ist kein Wunder, daß in der zionistischen Oeffentlichkeit die Tatsache der Verhaftung der Revisionisten überaus erregend gewirkt hat. Die Spannung zwischen Revisionisten und Arbeiterpartei, die im letzten Jahre infolge der bekannten Gewerkschaftskonflikte sehr groß war, ist bis zur Unerträglichkeit gewachsen. Die Arbeiterpartei sucht ihre Mitglieder in Palästina und in den Galuthländern in Ruhe zu halten. In der Tat sind auch Racheakte und Gewalttätigkeiten bisher nicht vorgekommen. Abesp man kann sich schwer vorstellen, daß nach diesen Ereignissen ein ruhiges Zusammenarbeiten zwi-

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