Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1933)
- Article
- Metallwirtschaftliche Möglichkeiten in Palästina
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 242 (sequence 6)
- Language
- German
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heute bereits den Anschein, als ob die Kohle immer mehr vom palästinensischen Markt verdrängt werden wird, und zwar gerade deshalb, weil das Erdöl in sehr scharfe Konkurrenz zum elektrischen Strom treten wird. Der Stromverbrauch des Landes für industrielle Zwecke hat bekanntlich im Jahre 1932 eine starke Steigerung erfahren. Die Palestine Electric Corporation hat an Kraftstrom 4,977.972 Kwh abgegeben, das waren 22,5 o/o mehr als im vergangenen Jahr. Die Minimalkosten für industrielle Großverbraucher lagen aber immer noch zwischen drei und vier Mil je Kwh. Das ist, an europäischen Stromkosten gemessen, nicht billig, was wohl in der Hauptsache daran liegt, daß das Werk der P. E. C. in der Jordansenke noch nicht auf seine volle Kapazität gekommen ist. Es muß angenommen werden, daß es bis zu dem Zeitpunkt, in welchem die pipe-line der I. P. C. zu fließen beginnen wird, also etwa bis zum Frühjahr 1935, dazu in der Lage ist, billigere Sätze für Kraftstrom zu stellen. Dann wird aber erst der eigentliche Konkurrenzkampf zwischen Elektrizität und Erdöl im Lande beginnen, und das ist auch metallwirtschaftlich sehr wichtig. Man kann natürlich keine aUgemeine Norm der Art aufstellen: Metallindustrien in Palästina sollen entweder nur elektrischen Strom oder nur Erdöl als Wärmequelle benutzen. So einfach liegen die Dinge nicht. Es kommt auch Wesentlich darauf an, welche Temperaturen im Einzelfall erzielt werden müssen, das heißt, ob es sich um einfaches Glühen für irgend welche Verarbeitungszwecke, oder um die Erzielung mehr oder minder hochliegender Schmelztemperaturen handelt, die ja bei den einzelnen Metallwerkstofffen sehr verschieden sind. Aber Tatsache ist doch soviel, daß auf nicht unbeträchtlichen Grenzgebieten das Erdöl als Wärmequelle sehr wohl in Konkurrenz zum elektrischen Strom treten kann und umgekehrt. Das ist nun eine Frage der Durchkonstruktion der Arbeitsanlagen und der Kalkulation. Reizvolle Einzelprobleme bieten sich jedenfalls hier in Hülle und Fülle. Ihre Anzahl wird noch erweitert, wenn man dazu übergeht, die zweite metallwirtschaftliche Produktionsgruppe, die Verhüttung von importierten Erzen oder von teils importierten, teils im Lande angefallenen Altmetallen und Metallabfällen zu untersuchen. '> Ich glaube nicht, daß wir in Palästina in absehbarer Zeit die Errichtung von Verhüttungsanlagen sehen werden, die auf importierten Erzen stehen. Es könnte sich jedenfalls hierbei nur um volkswirtschaftlich nicht sehr bedeutungsvolle Spezialitäten handeln, die vielleicht technisch nicht unwichtig sein könnten, die aber im Rahmen einer allgemeinen Darstellung, wie der vorliegenden, keine Rolle spielen. Ganz anders liegen die Dinge aber im Hinblick auf die Wiederverwendung von Altmetallen und Metallabfällen, das heißt, auf die Gewinnung von Metallen „zweiter Schmelzung". Ich habe schon vor einiger Zeit einmal in einem kleinen Artikel („Möglichkeiten einer palästinensischeis Stahlindustrie", Jüdische Rundschau Nr. 26, vom 31. März 1933 — von uns in Nr. 5/6, S. 209 auszugsweise wiedergegeben. — Die Red.) darauf kurz hingewiesen, daß zum mindesten für die Verwendung von Eisenschrott und Eisenabfällen palästinensischer Herkunft die Möglichkeiten wachsen. Freilich sind die Abfallmengen der eisenverarbeitenden Industrie und der Eisenbahnen zunächst noch klein, aber der Alts ehr ottentf all muß ziemlich' erheblich ansteigen. Ich ging in dem oben erwähnten Artikel davon aus, daß Palästina in den Jahren 1926 bis 1928 eine Eiseninvestition von mindestens 20.000 Tonnen im Jahre gehabt hat. In den darauffolgenden Jahren war sie bestimmt größer,