Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1933)
- Article
- Metallwirtschaftliche Möglichkeiten in Palästina
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 239 (sequence 3)
- Language
- German
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erwähnten Gründen auch gar nicht vermieden werden kann. Man braucht in Anbetracht der Lage der internationalen Metallwirtschaft, wie sie sich in den Nachkriegszeit entwickelt hat, nicht zu befürchten, daß die sich so ergebende Abhängigkeit von ausländischen Metallproduzenten eine nur unsichere Basia für die Entwicklung einer relativ bedeutenden eigenen Metallindustrie in Palästina darstellen würde. Die internationalen Metallmärkte leiden (ebenso wie der Eisenmarkt) seit vielen Jahren an einer chronischen Ueberproduktion, Die Bestände an unverarbeiteten Metallen sind enorm hoch, was zweifellos nicht nur eine allgemeine Krisenerscheinung ist, sondern eine spezifisch metallwirtschaftliche Angelegenheit. Diese ist dadurch hervorgerufen worden, daß durch die Anwendung neuer Erzaufbereitungsverfahren (Flotation) auch solche Erzvorkommen abbauwürdig geworden sind, die früher nicht hierfür galten, fernerhin ist die Wiederverwertung von Altmetallen und Metallabfällen auf eine sehr hohe technische und wirtschaftliche Stufe gebracht worden, woran vor allem die deutsche „Ersatzwirtschaft" während des Krieges mit ihrer großen Metallknappheit beteiligt gewesen ist. Das alles hat dahingehend zusammengewirkt, daß die vor dem Kriege chronisch auftretende Metallknappheit seit etwa 1921 in einen ebenso chronisch auftretenden Metallüberfluß umgeschlagen ist, das heißt mit anderen Worten, während früher die Verarbeitung der Produktion quantitativ voraus war, ist jetzt die Produktion der Verarbeitung voraus. (Es gibt Theoretiker, die hierin ein Zeichen dafür erblicken wollen, daß die Industrialisierung der Welt ein langsameres Tempo angenommen hat. Mit derartigen Theorien wollen wir uns hier nicht auseinandersetzen.) Festgestellt sei soviel, daß der palästinensische Metallbedarf, auch wenn er stark steigen sollte, immer ohne Scliwierigked/ten zu decken sein wird!, denn von einer Metallknappheit in der Welt wird vorläufig wohl kaum die Rede sein können. Das bedeutet, daß man sehr wohl die volkswirtschaftliche Verantwortung dafür übernehmen kann, eine relativ bedeutende palästinensische Metallwirtsdhaft mit allen dazu gehörigen Anlagen auf der Basis des Imports von Rohmetallen aufzubauen. Nicht außer Acht lassen darf man freilich, daß diese auf der genannten Basis zu 100 o/o dem Preisdiktat der Londoner Metallbörse unterworfen wäre. Aber das sind die metallverarbeitenden Industrien in den Ländlern mit eigener Urproduktion selbstverständlich auch, soweit sie nicht in horizontale Trusts, gegliedert sind, die vom Bergwerk bis zur Dreherei reichen. Die Vorteile, die diese Trusts durch die Verwendung eigener Erze haben, kommen übrigens dem Konsumenten in den fraglichen Ländern — in der Hauptsache in U. S. A. — niemals zugute, sondern die Verkaufspreise richten sich im allgemeinen nach dem Tagespreis des Metalls urid dieser wird seit dem Zusammenbruch der großen amerikanischen „Metalloffensive" von 1926—1930 doch wieder im wesentlichen in London an der Börse festgesetzt, wenigstens für Rupfer, Blei, Zink und Zinn. Anders liegen die Dinge beim Aluminium und beim Eisen. Der Aluminiumpreis wird durch ein völlig lückenloses Weltkartell bestimmt, die Alliance Aluminium Co. in Basel, dessen Preispolitik aber durchaus nicht monopolistisch, sondern recht maßvoll ist, und das immer mit sich handeln läßt. Beim Eisen liegen die Dinge so, daß der Bezog von Roheisen — etwa von Gießereiroheisen — kaum jemals durch ein internationales Kartell monopolisiert werden wird. England hat jedenfalls nicht das geringste Interesse daran, an einem solchen teilzunehmen, und sollte es einmal zustande kommen,