Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1933)
- Article
- Metallwirtschaftliche Möglichkeiten in Palästina
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 238 (sequence 2)
- Language
- German
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einzige Zinnhütte, welche Erze verarbeitet. Das sind alles Erscheinungen, die uns den Weg zu zeigen vermögen, auf welchem auch Palästina zu einer relativ bedeutungsvollen Metallindustrie gelangen kann, ohne diese von der Urproproduktion her aufbauen zu müssen. Es gibt für die Erreichung dieses in jeder Hinsicht erwünschten Zieles verschiedene Möglichkeiten. Wenn wir methodisch vorgehen, haben wir in dieser Hinsicht zwei verschiedene, aber doch in einem gewissen Zusammenhang miteinander stehende Produktionsgruppen zu untersuchen: Die eine basiert auf dem Import verarbeitungsfähiger Metalle bezw. Legierungen und darüber hinaus auf dem von bereits vorgerichteten Halbzeugen. Die andere wäre aufzubauen auf dem Import von Erzen oder auf der Wiederverwendung von Altmetallen und Metallabfällen, die entweder ebenfalls importiert werden öden* im Lande selbst anfallen. Es liegt auf der Hand, daß der Aufbau einer Metallindustrie auf Basis importierter Halbzeuge in Palästina zum mindesten in technischer Hinsicht am einfachsten ist. Selbstverständlich ist es für kleinere oder mittlere Werkest die bestimmte metaUwirtschaftliche Fabrikate herstellen, am leichtesten, diese bereits in einem vorgerichteten Zustande aus dem Ausland zu beziehen, so daflj sie also entweder nur noch abgedreht, oder gepreßt, gezogen, gestanzt etc. werden müssen. Es kommt hinzu, daß zum mindesten zur Zeit, aber wahrscheinlich auch für alle Zukunft, in den Ländern mit hoch entwickelter Metallindustrie die größte Geneigtheit dazu bestehen wird, solche Halbfabrikate nach Palästina zu liefern und das Land so in metallwirtschaftlicher Hinsicht auf einem halb kolonialen Zustand zu belassen. Die betreffenden Länder würden sogar noch größeren Wert darauf legen, nach Palästina — wie nach den übrigen „kolonialen" Märkten auch — nur Fejrtigfabrikate zu liefern, so daß also der hiesige Bedarf nicht durch eine eigene Industrie, sondern unmittelbar durch' den Einfuhrhändler gedeckt werden würde. Sowohl dies als auch die Basierung einer palästinensischen Metallindustrie auf die Verarbeitung von Halbzeugen sind aber volkswirtschaftlich betrachtet, für uns höchst unerwünscht, mögen sie auch technisch zunächst — gar nicht einmal für lange Dauer! — einfacher und bequemer sein. Denn es ist ja nun einmal Taftsache, daß der größte Teil des Preises metallwirtschaftlicheir Fertigfabrikate und Halbzeuge aus Arbeits-» lohn besteht, und nur der geringste Teil aus den Kostein für das rohe Metall. Das heißt also: Kaufen wir Metallfertigfabrikate oder Halbzeuge, so kaufen wir in einem volkswirtschaftlich unerwünschten Ausmaße gleichzeitig auch ausländische Arbeitskraft und verringern dementsprechend die echte Kaufkraft der palästinensischen Wirtschaft, aber auch, was vielleicht noch widhtdger ist, die Kapazität unseres Binnenmarktes. Aus dieser Ueberlegung heraus ist es zu begrüßen, daß im Laufe der letzten Zeit eine Reihe von metallwirtschaftlichen Betrieben in Palästina entstanden ist, die wenigstens den Bezug von vielen Metall fertig f abrikaten überflüssig und den von Halbzeugen möglich gemacht haben. Aber als begrüßenswert kann das nur erscheinen, wenn wir hierin ein ausgesprochenes Uebergangsstadium erblicken. Das Ziel muß sein, auch den Bezug von Halbzeugen nach Möglichkeit einzuschränken und soweit irgend angängig, nur Rohmetalle} zu verarbeiten, gegen deren Bezug aus dem Auslande volkswirtschaftlich gesehen, nichts einzuwenden ist, weil er nur einen verhältnismäßig geringen Import von Arbeitskraft darstellt, und weil er schließlich aus den eingangs