Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1933)
- Article
- Die nationale Kolonisation in Palästina
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 174 (sequence 2)
- Language
- German
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faches dieser Zahl. In Tel-Aviv allein machen sie per Jahr zirka V« Million Pfund aus. Allerdings ist außer dem Quantum auch die Qualität zu berücksichtigen. Bekanntlich stehen die Produkte der jüdischen Bauern auf der Höhe den europäischen. Für das Land selbst bedeutet daher die jüdische Landwirtschaft einen bedeutenden Auftrieb in der Richtung, die einizig und allein den Agrarländern Hilfe bringen kann, derjenigen nach Intensivierung und technischem Fortschritt. Wenn die Kolonien des KH. noch schwer zu kämpfen haben, so teilen sie dieses Los mit der gesamten Landwirtschaft der Welt. In Palästina speziell ist die fortwährende Dürre eine Ursache der ungünstigen Ergebnisse. Doch dies gehört nicht auf die Rechnung der kolonisierenden Instanzen. Diese haben vielmehr in schweren Zeiten immer helfend eingegriffen. Wiederholt ist auch betont worden, daß die Pflanzungszone, in der die Privatwirtschaft sich niederläßt, nur einen kleinen Küstenstreifen darstellt, indes das jüdische Siedlungswerk sich aus politischen und nationalen Gründen über das ganze Land verteilen muß. Gerade der Emek als die einzige Querebene Palästinas, ist siedlungspolitisch von besonderer Bedeutung. Dort, wo reine Privatwirtschaft in der Pflanzungszone herrscht, haben Spekulation, Kommerzialisierung manche unerwünschte Erscheinung mit sich gebracht. Die Arbeit ist auch keine rein jüdische und die jüdischen Arbeiter leben zum größten Teil unter sehr schwerein Bedingungen, sohlechter Behausung und dadurch verursachtem hohen Krankenstand. Die ethischen Ideale der Aliisschließung der Bodenspekulation, der Selbstarbeit, der Schaffung des wahren Landwirtetypus u. a. m., all dies sinld nicht zu unterschätzende mora* lische, nationale, soziale und ökonomische Momente in der Entwicklung der neuen jüdischen Gemeinschaft. Die hohe Anerkennung, die bekanntlich der Führer der Pflanzer, Smilansky, den Arbeitersiedlern im Emek zollte, ist ein Beweis dafür, daß auch bei den Vorkämpfern der Privatwirtschaft die nationale Siedlungsarbeit gewürdigt wird. Die Kolonisationsarbeit der nationalen Fonds ist aber auf dieses Gebiet und die Siedlungen gemischter bäuerlicher Wirtschaft nicht beschränkt. Der Keren Kajemeth hat in der Pflanzungszone Boden erworben und darauf hunderte Familien des Arbeiter- und des Mittelstandes angesiedelt. Zu den gemeinnützigen Fonds muß übrigens auch die Pica gerechnet werden, ferner auch der Hilfsfonds, der nach den Unruhen gesammelt wurde. Auch die Brandeis-Banken und die Südafrikanische Bank, die alle zu sehr billigen Bedingungen Kredite geben, können nicht als rein geschäftsmäßige Unternehmungen angesehen werden. Wenn man zu den vom Keren Hajessod kolonisierten Familien noch jene rechnet, welche durch die Arbeit all dieser Institutionen angesiedelt worden sind, ferner berücksichtigt, daß es ja Baron Rothschild und die J. C. A. wtaren, die in den Vorkriegszeiten seit 1882 die großen Pflanzungskolonien geschaffen haben, die heute als Bollwerke der „Privatwirtschaft" gelten, so kommt man zu der das große Publikum vielleicht überraschenden Tatsache, daß der weitaus überwiegende Teil der Siedlungsarbeit in Palästina auf Rechnung gemeinnütziger Fonds und Institutionen zu setzen ist! Aber das ist noch, lange nicht alles, was ihrer Arbeit zugute zu halten ist. Die Fonds haben es ermöglicht, daß nach 30jährigem Mißerfolg die landwirtschaftliche Arbeit endlich von jüdischen Händen geleistet wird. Das