Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1933)
- Article
- Die Aussichten der Textilindustrie
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 170 (sequence 6)
- Language
- German
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170 Textil. Zahl der Beschäftigte Roh- Andere Wert der Betriebe Arbeiter Lohn material Ausgaben Insgesamt Produktion 40 533 23,290 49,703 2,566 75,964 85,561 Demnach bildet der Arbeitslohn nur 27,2 o/o vom Werte der Produktion. 43<)/o des Arbeitslohnes (Unterschied im Vergleich mit Bombay) stellen sich somit auf 11,6 0/0 vom Werte des Jahresproduktes und 19 0/0 (Unterschied im Vergleich mit Tokio) auf 5,2 0/0 des jährlichen Wertes des Produktes. Die Senkung des Arbeitslohnes in der Textilindustrie in Palästina auf das Niveau von Bombay würde also das palästinensische Produkt nur um 11,60/0 und jene auf das Niveau; von Tokio um 5,2 0/0 verbilligen. Diese Kalkulation beweist, daß der Lohnunterschied eine untergeordnete Rolle spielt. Der Unterschied zwischen dem Arbeitslohn in Tel-Aviv einerseits und Bombay und Tokio anderseits wird durch den üblichen, übrigens verhältnismäßig niedrigen Zoll aufgewogen. Die skrupellose Ausbeutung der Arbeiter im Fernen Osten muß aber im Laufe der Zeit ihre Grenzen finden. Schon heute existiert in diesen Ländern eine Gewerkschaftsbewegung, die eine Steigerung der Löhne durchsetzen wird. Nebenbei, die Unterschiede zwischen den Lohnsätzen in den verschiedenen; Gegenden in Indien selbst sind manchmal nicht kleiner, als der Unterschied zwischen Bombay und Tel-Aviv. So beträgt z. B. der Unterschied in der Lohnhöhe zwischen Bombay und Shalapur 35—40o/o. Wäre die Annahme, daß immer die mit niedrigsten Löhnen arbeitende Industrie am erfolgreichsten ist, richtige so hätte Bombay seine Stellung in der Textilindustrie an Shalapur abtreten müssen. Aber in Bombay bestehen trotzdem heute 75 Textilfabriken gegenüber fünf in Shalapur. Die Lohnhöhe hat in Palästina die Textilindustrie nicht behindert. Im Gregenteil, der Arbeitslohn ist dank dem Erfolg der Industrie gestiegen. Der Jahresbericht der Mandatsregierung an den Völkerbund für das Jahr 1929 stellt fest: „daß der Aufschwung der Textilindustrie zu einer Steigerung des Arbeitslohnes in diesem Wirtschaftszweig geführt hat." Anderseits ist es nicht weniger interessant, den Arbeitslohn in Palästina mit den in der Textilindustrie in Europa zu vergleichen. Der durchschnittliche Arbeitslohn in der Textilindustrie in England erreichte die Höhe von 33—36 Shilling per Woche, d. h. 270—300 Müs per Tag oder das dreifache des Arbeitslohnes in Bombay. Jedoch andere Faktoren spielen, wie es scheint, eine bedeutende Rolle in der Entwicklung einer Industrie. Der Direktor des palästinensischen Zoll - Departments konnte trotz diesem Unterschied in dem Jahresbericht für 1927 feststellen, daß die nach Palästina importierten Waren hauptsächlich englischer Provenienz sind.*) Was Palästina anbetrifft, fällt noch die Produktivität der Arbeit besonders ins Gewicht. In dieser Hinsicht ist ein bedeutender Fortschritt zu verzeichnen. Im Jahrö 1924 war der Arbeitslohn in der Textilindustrie in Palästina um 20—25 0/0 niedriger als im Jahre 1929. Jedoch die Steigerung des Lohnes war die Folge der Produktivität und Ergiebigkeitssteigerujng der Arbeit, was durdh folgende Tabelle bestätigt wird: *) Department of Overseas trade Report of the Economic Situation of Palestine by Mr. Stead, Director of Customs, Excise and Trade 1927.