Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1933)
- Article
- Ansiedlungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 158 (sequence 3)
- Language
- German
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könne. In der Tat hat sich die m£t Orangen bebaute Fläche in Palästina, die im Jahre 1925 nur 30.000—40.000 Dunam betrug, inzwischen auf etwa .,180.000 Dunalm vergrößert, von denen allerdings zurzeit erst 40.000—50.000 Dunam zum vollen Ertrage gekommen sind. Die für Export in Frage kommende Orangenproduktion Palästinas, die im :Jahre 1932/33 ungefähr 41/2 Millionen Kisten betrug, wird in dem Matße, wie die neuen Pflanzungen in das Ertragsstadium eintreten, im Lauf der nächsten 6—8 Jahre auf 15—18 Millionen Kisten steigen. Da auch die anderen Orangen produzierenden Länder (insbesondere Spanien und Florida*) ihre Orangenpflanzungen außerordentlich erweitert haben, so ist es natürlich nicht ausgeschlossen, daß es der palästinensischen Orange in der Zukunft an Absatz fehlen kann. Hier liegt sicherlich eine nicht zu unterschätzende Gefahr vor, und zwar nicht nur für neue Pflanzungen, sondern für die ganze Orangen-Industrie Palästinas überhaupt. Denn ein Ueberangebot von Orangen oder die zeitweilige Sperrung gewisser Märkte alus Gründen der Finanzpolitik oder die Einführung von PreferencetaHfen zugunsten der Palästina-Orange kann einen katastrophalen Rückgang der Preise oder sogar die Unverkäuflichkeit eines Teiles der Produktion herbeiführen. Ebenso kann ein zu großer Export von Früchten junger (6—8jä?hriger) Pflanzungen, die in der Qualität hinter den Früchten älterer Pflanzungen zurückbleiben, das Renomee der JaHa-Orangen schädigen und i(hre Konkurrenzfähigkeit vermindern. Aber andererseits nimmt der Oramgen-Konsum in der Welt ständig zu. Bei der ausgezeichneten Qualität der Jaffa-Orange und bei der Hoffnung auf Senkung der jetzt sehr hohen Spesen vom Baium bis zum Konsumenten durch die Eröffnung des Haifa'er Hafens und durch die Einführung billigerer Verpackungsme£hoden hat die Palästina-Orange im Konkurrenzkampf um die Märkte relativ günstige Aussichten. Es ist auch ein Vorzug der Orange gegenüber änderen Waren, daß man viele Jahre vorher weiß, welche Mengen auf den Markt kommen werden und sich rechtzeitig um die Vergrößerung des Absatzes bemühen kann. Gegenwärtig ist die Kultur der Orange der lohnendste Zweig der palästinensischen Landwirtschaft, und sie kann besonders für den selbstarbeitenden Siedler, der keinen Arbeitslohn auszugeben braucht, auch dann noch lohnend bleiben, wenn in Zukunft die relativ hohen Preise der letzten Jahre auf den ausländischen Märkten einen Rückgang erfahren sollten. Ueberdies ist die Orangenkultur, deren Pflege ein hohes Maß von Umsicht und Intelligenz verlangt, für den jüdischen Siedler besonders geeignet. Schließlich aber spricht? für die Orangenkultur, daß eine Siedlung äuf Grundlage der Orangenpflanzung. viel weniger Boden braucht, als irgendeine andere Wirtschaftsform, und dies ist bei der Bodenknappheit in Palästina für e,ine große jüdische Siedlung von besonderer Wichtigkeit. Für Kapitalisten, die größere Beträge in der palästinensischen Landwirtschaft anlegen wollen, die aher keine landwirtschaftlichen Kenntnisse haben, gibt es keine andere passende Anlage außer der Orangenpflanzung. Daß sie dabei ein Risiko laufen, kann nicht geleugnet werden. Aber es gibt heute nirgends in der Welt eine Kapitalanlage, die 100o/o ige Sicherheit und gleichzeitig — wie die Orangenkultur in Palästina — die Möglichkeit eines relativ hohen Gewinnes bietet. Es ist außerdem anzunehmen, daB Kapitalisten nicht ihr gesamtes Kapital, sondern nur einen Teil desselben in Palästina investieren