Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1933)
- Article
- Die Zukunft des jüdischen Haifa
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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150 Nährboden für ein geistiges und kulturelles Zentrum. Wenn wir also Haifa für den Juden „attraktiv" machen wollen, so dürfen wir nicht auf Tel-Aviv schimpfen, sondern müssen versuchen, diese Attraktivität, die Tel-Aviv bietet, zu erkennen und verständnisvoll nachzuahmen. Das jüdische Haifa der Zukunft muß also etwa eine Synthese der allgemeinen wirtschaftlichen Bedingungen des zukünftigen Haifa, mit Vorzügen darstellen, die etwa das heutige Tel-Aviv seinen Einwohnern bietet. Das zukünftige jüdische Haifa. Die Situation des heutigen jüdischen Haifa, an diesen Gesichtspunkten gemessen, erscheint so trostlos, daß selbst die meisten Haifaner zweifeln dürften, ob es gelingen wird, aus diesen zusammenhanglosen Teilen ein organisches Ganze zu formen. Bevor ich aber beweisen will, daß man diesem Pessimismus mit Recht entgegentreten darf, möchte ich noch einige prinzipielle Darlegungen voraussschicken. Die schwierigste Frage ist die, ob man den Versuch machen soll, ähnlich wie in Tel-Aviv, das jüdische Element ganz von dem nicht jüdischen zu trennen und auch in Haifa eine jüdische „Township" mit getrennter Verwaltung usw. ä la Tel-Aviv anzustreben. Aber auch in Tel-Aviv sitzt ein bedeutender Teil der jüdischen Geschäftswelt außerhalb der Grenzen der Township, und zwar hat sich das dort wegen der weniger verwickelten Verhältnisse gegenüber Haifa schon etwas schärfer herauskristallisiert. Es handelt sich ganz deutlich dabei um diejenigen Teile des ökonomischen Apparates, die ihren Schwerpunkt außerhalb der spezifisch jüdischen Wirtschaft haben, beziehungsweise von nicht spezifischen jüdischen Schwerpunkten, wie Hafen und Mandatsverwaltung abhängig sind. Eine solche klare Teilung der entsprechenden Wirtschaftszweige ist in Haifa noch nicht ausgebildet oder wenigstens erst in den Anfängen erkennbar. Noch immer sitzt der jüdische Arzt oder Advokat, auch wenn er nur oder fast nur mit jüdischen Kunden zu tun hat, unten in der arabischen Altstadt, die sich langsam zum Hafenviertel ausbildet. Noch immer sind fast alle jüdischen Handwerker über dieselbe arabische Altstadt verstreut, obwohl sie teils aus wirtschaftlichen, teils aus politischen Gründen fast ausschließlich auf jüdische Kundschaft angewiesen sind. Noch immer sind jüdische Schulen und andere Institutionen rein jüdischen Charakters in allen möglichen Teilen der Stadt zu finden, und hunderte jüdischer Kinder treiben sich noch heute des Abends in den Teilen der Altstadt herum, die den Ehrgeiz haben,