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Palästina · 1933-03-01 · Heft 3-4 (März 1933) · p. Seite 89

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
16 (1933)
Issue
Heft 3-4 (März 1933)
Article
Streiks und Aussperrungen in Palästina im Jahre 1931/32
Date
1933-03-01
Page
Seite 89 (sequence 7)
Language
German
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sehäftigung organisierter Arbeiter usw. Die oben angeführte Tabelle beweist, daß das Gegenteil wahr ist. Von den 323 Streiks und Aussperrungen wurden 81 Prozent (259 Fälle) durch wirtschaftliche Gründe verursacht und nur 10 Prozent (64 Fälle) durch organisatorische Gründe. Die Kämpfe der Arbeiter waren nicht vergeblich, wie die folgenden Zahlen beweisen: Ergebnisse der Streiks und Aussperrungen in den Jahren 1921 bis 1931. Mit Erfolg für die Arbeiter endeten: 237 Streiks und Aussperrungen 67.5o/o Mit Niederlage für die Arbeiter endeten: 47 „ „ 13.4o/o Mit Kompromiß endeten: 67 „ „ 19.1 o/o Mit unbekanntem Ergebnis: 8 „ ., „ — 100 o/o Es ist klar, daß die primitive Arbeitsgesetzgebung im Lande und das riesige Angebot billiger Arbeitskräfte in der Umgebung der jüdischen Wirtschaft dem jüdischen Arbeiter eher hinderlich waren, in gewissen Arbeitszweigen ein Minimum an anständigen Arbeitsbedingungen zu erlangen, die eine — wenn auch karge Existenz einer jüdischen Familie" im Lande, Erweiterung und Mehrung der jüdischen Arbeit, die Aufnahme und wirtschaftliche Verwurzelung neuer Einwanderer aus europäischer Umgebung ermöglichen. Nur dank starker Organisation hat der jüdische Arbeiter diese Ergebnisse erzielt. Man kann es bedauern, daß die Eroberung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen es erforderlich machte, die Streikwaffe zu benützen und gegen Aussperrungen zu kämpfen, aber solange weder die Staatsgesetzgebung noch eine Reihe von Kollektivverträgen ein Minimum an wirtschaftlicher Existenz und Organisationsfreiheit sichern, kann der Arbeiter seine letzte Verteidigungswaffe nicht ausliefern» ohne seinen wesentlichen Lebensinteressen und seiner sozialen und nationalen Aufgabe untreu zu werden. Der große Schaden und die Gefahr, die jeder Streik oder Aussperrung für den Arbeitgeber, die Wirtschaft und die Arbeiter mit sich bringen, liegt außer jedem Zweifel. Es ist kein Zufall, daß die Arbeitseinstellung als letztes Ver teidigungsmittel des Arbeiters gilt, das nur dann angewandt wird, wenn alle anderen Mittel der Beeinflussung und des Kampfes versagen. Wenn wir uns aber den konkreten Schaden vor Augen führen, der dem Lande durch irgendwelche Arbeitseinstellungen erwächst und diese mit der Arbeit von 36 Arbeitern per Jahr errechnen können — und diese Summe schließt den Verlust durch Aussperrungen ein — werden wir wohl selbst zur Folgerung gelangen, daß die Arbeiterbewegung mit Vorsicht, Sorgfalt und Verantwortlichkeitsgefühl diese scharfe Waffe gehandhabt hat, obzwar sie auch nicht zurückschrack, sie im Notfalle zu ergreifen und manchmal um ihre Forderungen auch durch Arbeitseinstellung zu kämpfen. Es ist wohl kaum irgendwo vorgekommen, daß Arbeitgeber aus eigenem Willen die Arbeitsbedingungen der Arbeiter verbessert haben. Es gibt keinen Grund, ein anderes Verhältnis seitens detr Arbeitgeber in Palästina zu erwarten. Ein Ereignis der letzten Tage führt uns diese Tatsache mit besonderer Klarheit vor Augen. Der achtstündige Arbeitstag bildet wie es scheint, einen fast durch den ganzen Jischuw anerkannten ethischen und

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