Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1933)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. Arie Tartakower, Lodz.
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 6)
- Language
- German
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beitsmöglicfakeiten wächst das Chaos im Baugewerbe und die gegenseitige Konkurrenz der Arbeiter von Tag zu Tag. Das Verschwinden oder jedenfalls Zurücktreten der großen Bauunternehmungen, an deren Stelle eine Unmenge kleiner, oft zufälliger Unternehmer (zwischen ihnen auch viele selbständige Arbeitergruppen) getreten sind, trägt naturgemäß das Seinige dazu bei, das. Chaos womöglich noch zu steigern. Im Kampf gegen diese ungeordneten Zustände sind auch die zum Teil an Stelle des „Solei Boneh" getretenen Unternehmungsbüros der Histadruth in den einzelnen Städten bisher machtlos geblieben. So verschlimmern sich denn ununterbrochen die Arbeitsbedingungen, selbst die qualifizierte Arbeit wird nicht mehr entsprechend entlohnt, von einer festen gewerkschaftlichen Organisierung ist keine Rede nuehr. Anderseits hat sich zum Teil wohl unter der Auswirkung dieser Verhältnisse auch die Psychiologie der Arbeiterschaft bedeutend geändert. Man sorgt fast nur mehr für sich allein, sucht soviel Arbeit als möglich zu „erobern", man steht möglichst weit von der Histadruth, um ja nicht dazu gezwungen zu werden, neue Arbeiter aufzunehmen. Im Gegensatz zu den Verhältnissen noch vor wenigen Jahren, wo die Bauarbeit als das Hauptaufnahmsgebiet für die neuen Einwanderer galt, machen sich jetzt immer mehr Bestrebungen geltend, sich gegen den Zufluß von Außen abzusperren. Dieser enge Professionalismus hat das Eindringen von neuen Schichten in das Gewerbe nicht zu verhüten vermocht, hat aber den einen Erfolg gezeitigt, daß es gerade die nichtorganisierten, sozial rückständigsten Elemente sind, die diesen Weg gefunden haben und die Situation noch mehr komplizieren. So stellt denn die Bauarbeiterfrage heute einen der wundesten Punkte im Leben der Histadruth dar und man ist sich trotz der vielen Beratungen der letzten Zeit noch nicht klar darüber, wie dieses Problem eigentlich angepackt werden soll. Wiederum anders sieht es mit der Frage der Industrie arbeitei*- sqhaft aus. Dieses Arbeitsgebiet bedeutete sowohl vom wirtschaftlichen, wie auch vom sozialen Standpunkt noch vor wenigen Jahren eine terra incognita in Palästina und der bis zum heutigen Tage auf Schritt und Tritt fühlbare Mangel einer entsprechenden Arbeiterschutzgesetzgebung im Lande komplizierte seinerseits die Sachlage. Im schweren Kampf wurden Schritt auf Schritt bedeutsame Fortschritte auf diesem Gebiete errungen. Wenn heute 90 Prozent der Industriearbeiter organisatorisch erfaßt sind und nur mehr acht Stunden tägr lieh arbeiten, wenn die Beiträge der Unternehmer zur Arbeiterkrankenkasse heute in den allermeisten Fällen bereits gezahlt werden, wenn die Anerkennung der Gewerkschaft fast als Selbstverständlichkeit gilt und 85 Prozent der Industriearbeiter nur mehr durch die Vermittlung der Arbeitsämter der Histadruth angestellt und entlassen werden, so ist es einzig und allein ein Ergebnis der unermüdlichen Organisierungsarbeit der letzten Jahre, die freilich auch von mannigfachen Arbeitskämpfen begleitet war. Selbst auf dem sonst so schweren Gebiet der Organisierung des Handwerkerproletariats wurden beträchtliche Erfolge erzielt. Anderseits gelang es der Histadruth im Laufe der letzten Jahre viele gewerbliche Produktivgenossenschaften ins Leben zu rufen, die trotz mancher innerer Mängel auf dem Gebiet der Regelung der Arbeitsr bedingungen in mancher Beziehung vorbildlich wirken. Mitten im Ringen um diese Probleme des tagtäglichen Arbeiterlebens wurde auch auf anderen Gebieten des gewaltig angeschwollenen Tätigkeitskreises der Histadruth unermüdlich weitergearbeitet. Das große Werk der sozialen