Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1933)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. Arie Tartakower, Lodz.
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 5)
- Language
- German
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paar Jahre mehr als verfünffacht (von 4.433 im Jahre 1920 bis 33.900 Ende 1932). Sehätzt man die Gesamtzahl der jüdischen Arbeiter in Palästina gegenwärtig mit zirka 42.000, so sind fast 80 Prozent hievon durch die Histadruth erfaßt worden, ein Perzentsatsatz also, der wohl in keinem anderen Land der Welt je erreicht worden ist. Es muß darüber in Betracht gezogen werden, daß auch die außerhalb der Histadruth verbleibenden Arbeiter zum Teil durch andere Organisationen (in erster Reihe durch den Hapoel Hamisrachi, ein Teil auch durch die Revisionisten) erfaßt worden sind, so daß der nichtorganisierte Arbeiter nur einen geringen Bruchteil der gesamten jüdischen Arbeiterschaft Palästinas ausmacht. Bedeutet somit dieser gewaltige zahlenmäßige Wuchs an und für sich bereits einen erstklassigen Faktor in der Entwicklung der Histadruth, so kamen noch nicht minder wichtige innere* Aenderungen in der Zusammensetzung der Mitglieder hinzu, die den Charakter der Organisation naturgemäß beeinflussen mußten. Von einer überwiegenden Landarbeiterorganisation hat sich die Histadruth bereits in den ersten Jahren ihrer Existenz zu einer Land- und Bauarbeiterorganisation entwickelt, es kamen dann die großen Kadern der Industriearbeiter hinzu und heute gibfr es wohl kaum ein Arbeitsgebiet im Lande, das in der Histadruth nicht irgendwie vertreten wäre. Die Einheitlichkeit des Typus des jüdischen Arbeiters Palästinas ist durch diese Entwicklung der Dinge bereits längst überwunden worden. Von den drei Hauptgruppen, den Land-, den Bau- und den Industrie J arbeitern, ist die erste am stärksten der ursprünglichen Pionierstöllupg treu} geblieben, sie ist es auch, die bis zum heutigen Tage in den ersten Reihen des jüdischen Arbeiterwerkes in Palästina steht, unter anderem auch die Hauptmasse der neuen Einwanderer aufnimmt. Doch ist auch in der Einstellung dieser Arbeiterschaft eine große Aenderung zu verzeichnen. Im schweren, bis zum heutigen Tage hartnäckig geführten Kampf um die Eroberung der Arbeit in den Kolonien gelang es, dort eine bedeutende Zahl von Arbeitern (zirka Zehntausend) zu konzentrieren, doch besteht der ursprünglich große Unterschied zwischen den Arbeitersiedlern und den Lohnarbeitern in den Kolonien nicht mehr. Auch die Lohnarbeiterschaft ist mit allen Mitteln bestrebt, seßhaft zu werden und es ist ihr trotz ihrer überaus niedrigen Verdienste und keineswegs gesicherten Existenzmöglichkeiten gelungen, mit eigenen Mitteln geradezu Wunder auf diesem Gebiete zu schaffen. Heute verfügen bereits die allermeisten Arbeitergruppen über eigenen Grund und Boden in den Kolonien und über ihre eigenen Hilfswirtschaften, auf denen weiter gebaut werden kann. Immer wieder wird das Ideal des Selbständigwerdens betont und es wird, wenn auch nach jahrelangen Bemühungen und oft unter drückenden Bedingungen (wie es am besten das Beispiel der „Hitjaschwut Haelef" beweist), doch in vielen Fällen verwirklicht. Die große Popularität der Arbeiterkolonisationskooperative „Nir", deren Aufgabe es sein soll, das Kolonisationswerk mit eigenen Mitteln der Arbeiterschaft und ihrer Sympathiker weiterzuführen, wird erst auf dieser psychologischen Grundlage erklärlich. Im Gegensatz dazu stellt die Bauarbeiterschaft heute sozusagen ein Schmerzenskind der Histadruth dar. Diese große Arbeiterschar, die noch vor wenigen Jahren die Kerntruppe der Histadruth ausgemacht hatte, und in der großzügigen Tätigkeit des „Solei Boneh" zur größten Entwicklung gelangt war, befindet sieh nunmehr im Zustand einer vollen Auflösung. Trotz der regen Bautätigkeit im Lande und trotz der im Großen unJd Ganzen gesicherten Ar>-