Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1933-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1933) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
16 (1933)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1933)
Article
Probleme des Unterrichtes in Palästina
Date
1933-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2379786-2379908-2379910-2396912--14696-2397183
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

sischen Schüler eben tatsächlich fremder sind, als Josua und Nelson einerseits, und Faust andererseits. Der Fortschritt liegt im erwachten Gefühl für das Unbefriedigende dieses Zustandes, nicht in der angebotenen Lösung. Die wahre Lösung kann vielmehr nur in eben jener tiefen inneren Wandlung gesucht werden, von der wir am Ende des vorigen Abschnittes sprachen. III. Religion. Eigentlichen „Religionsunterricht" in europäischem Sinne gibt es in Palästina nicht, auch nicht an den Schulen des Misrachi, die im übrigen, wenn auch mehr stofflich als geistig, das mittelalterliche Judentum deutlich ins Zentrum rücken. Die Situation für ernste religiöse Tradierung, Belehrung und Aussprache ist im heutigen Palästina denkbar ungünstig, und zwar noch mehr durch Schuld der Orthodoxie als durch die ihrer Gegner. Das unheilvolle Bündnis der politischen Orthodoxie mit der sozialen Reaktion, das sich gerade in letzter Zeit wieder in den Beschlüssen des Jerusalemer „Schomrei-Schabbath-Kongresses" manifestiert hat, bringt die Vertreter des traditionellen Judentums in einen immer unheilbarer werdenden Gegensatz mit der legitimerweise (noch!) im Lande führenden Schicht, mit der jüdischen Arbeiterschaft. Das wirkt natürlich auch auf die Schulen zurück, selbst ,auf die städtisch-bürgerlichen, für die im übrigen die (zum Teile mangelnde) Verbindung mit dem arbeitenden Palästina ein schweres (im Rahmen dieses Aufsatzes nicht darstellbares) Lebens- und Berufsproblem ist. Es kommt hinzu, daß die vielfach gezüchtete Primitivität des neuen palästinensischen Typs, seine angeblich „gesunde" Unproblematik, die nicht einmal immer von der Not des jüdischen Volkes in der Diaspora wirklich innerlich weiß, für religiöse Erschütterung oder auch nur Interessiertheit kein sehr geeigneter seelischer Boden ist. Eines der Grundmotive der religiösen Haltung, wie es, gegen Epikur und Spinoza, von Kierkegaard und Haidegger wieder neu herausgestellt wurde, ist die Angst, nicht: die Furcht vor etwas, sondern die Angst in etwas, die Ehrfurcht, Goethes „Schaudern". Dieses Grundgefühl fehlt dem palästinensischen Jugendlichen aller Gruppen in den meisten Fällen. Und wenn es neben diesem Allgemeinen ein besonderes Motiv jüdischer Religiosität gibt, das immer wieder die Existenzberechtigung des eigenen Volkes nicht fraglos als gege'ben hinnimmt, sondern an einem überseinsmäßigen Maßstab mißt, so fehlt auch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.