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Palästina · 1933-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1933) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
16 (1933)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1933)
Article
Probleme des Unterrichtes in Palästina
Date
1933-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Ein auch nur halbwegs brauchbares Lehrbuch der jüdischen Geschichte von der Zeit der Geonim, also etwa 1000 n. Chr., bis zur Gegenwart, gibt es überhaupt nicht; ebensowenig bisher einen Abriß der für Palästina so außerordentlich wichtigen orientalischen Geschichte. Diese letzte Lücke wird nun wohl bald, dank der Bemühungen der Hebräischen Realschule in Haifa, ausgefüllt werden; auf das Lehrbuch der jüdischen Geschichte aber werden wir wohl noch lange warten müssen. Eine paradoxe Situation! Und sie spiegelt sich auch in den Wertungsfragen wider, die beim Geschichtsunterricht eine so gewichtige Rolle spielen. (Ich habe ihre prinzipielle Klärung versucht in meinem Buche: „Das Werturteil im Geschichtsunterricht", Teubner 1931.) In einer Aussprache über diese Dinge mit meinen Schülern wurde z. B. die Mitteilung gemacht, daß bei der Durchnahme der Perserkriege die unwillkürliche Sympathie der Klasse auf Seiten der Griechen gewesen sei, obwohl doch bei diesem universal-historisch entscheidenden Zusammenstoß zwischen Okzident und Orient (freilieh nicht: zwischen Ariern und Semiten, denn beide Partner sind ja Arier) das Umgekehrte für einen Palästinenser natürlicher erschienen wäre. In demselben Gespräch kam ein zweites Wertungsproblem zur Sprache, das gegenüber dem europäischen Normalzustand seltsam vertauschte Fronten zeigte. Während in Europa die Schule, trotz aller Reformen, immer wieder den mehr oder minder autoritativen Versuch macht, die Schüler für eine bestimmte nationale, religiöse oder Klassenhaltung zu gewinnen, ein Versuch, der von den Schülern meist nicht ohne Opposition aufgenommen wird, war es in unserem Fall umgekehrt: eine Gruppe von Schülern verlangte dringend stärkere Beeinflussung und Führung, bewußte Herausarbeitung der jüdischen Kultur werte unter Zurückstellung der europäischen usw. Man klagte darüber, daß die Schule zwar Wissen, aber weder Zionismus noch Judentum vermittle, daß z. B. die geistige Beziehung zu Faust, die gefühlsmäßige etwa zu Nelson weitaus lebendiger seien, als die zu entsprechenden Männern der jüdischen Vergangenheit, etwa zum Baal Schern. Eine Ausnahme machten lediglich die Helden der ersten biblischen Periode. Das hier vorliegende Problem ist natürlich nicht durch die Erfüllung jener primitiven Schülerforderung nach „Tendenzunterricht" oder „Gesinnungsunterricht" zu lösen. Seine Wurzeln liegen darin, daß die geistigen Führer des jüdischen Mittelalters, das ja erst in der Generation des Chassidismus sein Ende fand, dem palästinen-

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