Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1933)
- Article
- Probleme des Unterrichtes in Palästina
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379908-2379910-2396912--14694-2397181- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
barer bei anderen Unterrichtsgegenständen auftreten, von denen nun die Rede sei. II. Geschichte und jüdische Geschichte. Die methodischen Bemühungen der hebräischen Lehrerschaft, einen Ausgleich zwischen den Anforderungen allgemein historischer Bildung und der zentralen Stellung der jüdischen Geschichte zu finden, haben bisher noch zu "keiner endgültigen Lösung geführt. Der manchmal propagierten, doch wohl kaum irgendwo durchgeführten, wenn auch in einem neueren Volksschullehrbuch zum Ausdruciv kommenden vollkommenen Zusammenlegung jüdischer und allgemeiner Geschichte begegnen schwerste Bedenken. Führte man sie durch, so würde zweifellos Anordnung und Periodisierung des Stoffes unter den herrschenden Gesichtspunkten der jüdischen Geschichte erfolgen, denn andernfalls wieder wäre die Zusammenlegung selbst überflüssig und sinnlos. Eine solche Konsequenz aber müßte zu einer gefährlichen Verstärkung jüdisch-chauvinistischer Motive und zu ihrer Uebersetzung in das Geschichtsbild führen. Man kann eben Napoleon nicht von der Belagerung Akkos aus, sondern nur von der französischen Revolution her verstehen. Die Verschiebung aller Perspektiven, die Verleugnung aller Größenordnungen, wie sie bei fast allen unseren jüdischen Historikern, Graetz und Dubnow nicht ausgenommen, die Regel ist, würde dann verewigt werden. Eine psychologische Eigenschaft der Galuthsituation, die sich aus dem faktischen Ueberall-Peripherie-Sein durch ein künstliches Salto mortale in den Mittelpunkt des Weltalls versetzt, würde dann in Palästina verstärkt und beibehalten, statt hier gerade in einem neuen und selbstverständlicherem Sicherheitsgefühl überwunden zu werden. Dieser Weg also geht nicht an. Aui der anderen Seite sind die Gefahren des bisherigen Lehrbetriebes kaum minder augenscheinlich. Das wichtigste Lehrbuch für die gesamte mittelalterliche Geschichte von der Völkerwanderung an bis zum Ausbruch der französischen Revolution ist wörtlich aus dem Amerikanischen des Professors Robinson übersetzt. Es handelt sich zwar um ein ausgezeichnetes, modernes, auch weitgehend unparteiisches Werk, aber doch eben um das Buch eines christlichen Angelsachsen, für den z. B. die Kreuzzüge ein beinahe ausschließlich europäisch-christliches und nur sehr nebenbei auch ein Ereignis der vorderasiatischen Geschichte sind.