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Palästina · 1933-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1933) · p. Seite 3

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Journal
Palästina
Volume
16 (1933)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1933)
Article
Probleme des Unterrichtes in Palästina
Date
1933-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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freilich eine Eigenart, wie man wird einräumen müssen, die wesentliches Merkmal einer Schriftsprache ist und bei der Umwandlung jener in das gesprochene Alltagswort zweifellos Einbußen erleiden muß. Aber darf sie ganz verloren gehen? Darf es dahin kommen, daß gute hebräische Prosa, z. B. manche Essays von Bialik, heute schon selbst Oberklassen der Mittelschulen nur mit Kommentar verständlich sind, und zwar nicht etwa nur aus sachlichen, sondern auch aus sprachlichen Gründen? Die Antwort auf diese Frage führt uns zum Problem des hebräischen Literaturunterrichtes. Dieser Unterricht hat an den nichtmisrachistischen Schulen, die reichlich zwei Drittel des gesamten Schulwerkes ausmachen, im allgemeinen drei Mittelpunkte: Bibel, Achad Haam und moderne hebräische Dichtung, vor allem Bialik und Tschernichowski. Was sonst noch etwa gelesen wird, steht durchaus in zweiter Linie und wirkt meist nur kenntnismäßig, nicht aber sprachbauend ein: ein wenig Mischnah, noch weniger '(und sehr oft gar kein) Talmud, hebräische Dichtung des Mittelalters, Religionsphilosophie. Es ist klar, daß diese Gewichtsverteilung des Stoffes einer bestimmten zionistischen Ideologie entspricht: sie spiegelt den Sprung wider, den ein Teil unserer Bewegung von der Bibel in die Gegenwart tun möchte, dabei das Mittelalter, also Ghetto und Galuth, gleichsam als nichtgeschehen und auch in seinen literarischen Manifestationen als nebensächlich überhüpfend. Die enge Verknüpfung, in der hier Sprache und Stoff erscheinen, ergibt sich auch aus der Schwierigkeit, den hebräischen Schülern Literaturwerke, wie die von Mendele Mocher S'farim oder Agnon nahe zu bringen: die dort geschilderte Welt des jüdischen „Städteis" ist auch inhall;- lich so fremdartig, daß ihre Darstellung oft kaum recipiert wird. Die entscheidende Frage, die sich aus dem Vorhergegangenen ergibt, ist also die nach dem Unterrichtswert der jüdisch-mittelalterlichen Literatur einschließlich des Talmuds. Ohne ihre Einbeziehung wird sich eine echt historische Kontinuität der Sprachentwicklung ebensowenig sichern lassen wie eine Wiederaufwertung des gesunKenen Sprachstandards. Diese Einbeziehung aber kann wirksam nur durch eine tiefe geistige Wandlung der zionistischen Bewegung selbst geschehen, die einen neuen Blick auf das jüdische Mittelalter gewinnen, ihren eigenen Standpunkt zu ihm revidieren und ihre revolutionäre Selbstauffassung nicht säkularisierend interpretieren müßte. So stehen denn die Fragen von Sprache und Stoff letzten Endes im Zusammenhang mit denen der Weltanschauung und Judentumsauffassung, wie sie noch unmittel-

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