Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1933)
- Article
- Probleme des Unterrichtes in Palästina
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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laufenden Sprachmünzen stattgefunden hat, nicht etwa nur, was zweifellos der Fall ist, im Vergleich zum latenten Schatz der hebräischen Traditionsliteratur, sondern wohl auch im Vergleich zu den Sprachen der Elterngeneration aus der Diaspora. Auch die zahlreichen Neubildungen werden dies Ergebnis kaum wesentlich beeinflussen. Seine Folgen äußern sich nicht etwa darin, daß der Hebräer gewisse Dinge als unausdrückbar empfindet: dann gerade würde eine erfolgreiche Anstrengung zur Ausweitung der Sprache gemacht werden, — sondern umgekehrt darin, daß Assoziations¬ und Denkmöglichkeiten, die von einer reichen Sprache mitgeschwemmt und dem Redenden oder Sehreibenden gleichsam angeboten werden, hier ausfallen. Um es zugespitzt zu sagen: man spricht nicht immer, was man denkt; sondern man denkt nur noch, was man sprechen kann. Das hat, neben dem auf der Hand liegenden Nachteil der geistigen Verengerung, auch eine gute Seite: das rein assoziative Denken, das den jüdischen Feuilletonismus geboren hat, der sich allerdings besonders leicht in der verhältnismäßigen Unverantwortlichkeit fremder oder neuer Sprachen austoben konnte, dieses Denken fällt im Neuhebräischen weitgehend fort und macht einem gesünderen und saubereren Platz. Es ist, wie bei Gretchen: eine kleine, dürftige Kammer — aber: „Nicht jedes Mädchen hält so rein". Schwerer wiegt die Abnahme der Tragfähigkeit und Dichtigkeit der Sprache. Verbände sich mit der Veränderung des Umfanges eine Erhöhung des spezifischen Gewichtes, so könnte die Entwicklung als ein bescheiden-anständiger Anfang rückhaltlos begrüßt werden. So aber muß man befürchten, daß die neue Schuljugend eine Sprache redet, die von ihren eigenen Quellen sehr weitgehend abgeschnürt ist und dadurch, wie man mit vielleicht ungerechtem Vergleich gesagt hat, sozusagen ein „Jiddisch" oder ein hebräisches Esperanto wird. Das macht sich z. B. in der Syntax geltend, die heute schon sehr häufig europäisch gefügte Sätze aus europäischen Vokabeln baut. Diese Vokabeln selbst aber verlieren immer mehr ihre Assoziationsfähigkeit nach rückwärts, d. h. ihre in der gutem modernen Literatur, etwa bei Bialik, Agnon und Hasas, noch bewahrte und zum Teil gar gesteigerte Fähigkeit, ihre eigene Geschichte von den Ursprüngen aus den Quellen her jeweils im aktuellen Gebrauch mit auszusagen und daher diesen selbst gleich in seiner Gejburtsstunde wieder zum Traditionsträger für künftige, kontinuierliche Entwicklungen zu machen. Genau dies war ja die Eigenart des hebräischen Wortes;