Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1932)
- Article
- Konjunktur und Keren Kajemeth
- Date
- 1932-12-01
- Page
- Seite 407 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2379786-2379900-2379907-2396539--14443-2396775- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sicherlich ist die Gefahr gegenwärtig noch lange nicht so groß, wie 1925, wo ein wahrer Taumel herrschte, ein richtiger „Boom", und die jüdische Wirtr schaft weder so ausgedehnt, noch so konsolidiert und gesund war wie heute. Aber das Spekulationsfieber wird durch eine anhaltende Konjunktur genährt, und es ist nicht ausgeschlossen, daß auch diesmal die Uebertreibungen sich in einer Weise häufen werden, daß ein ernteter Rück schlag eintreten kann. Es ist ohnehin unausweichlich, daß die Länder mit Preisen in entwerteten Pfund, also auch Palästina, langsam zu den Weltpreisen in Gold aufsteigen werden. Dieser Prozeß wird sich wahrscheinlich sehr langsam vollziehen, aber jedenfalls liegt schon darin ein Moment der Gegerfbewiegung gegen die) Konjunktur. Es ist daher jedenfalls nötig, rechtzeitig ein Wpcrt der Warniung auszusprechen, wie es auch 1925, damals ohne jede Wirkung von verschiedenen Seiten geschehen ist. Nicht gegen die Ausdehnung der städtischen und ländlichen Siedlung sind diese Warnungen zu richten, nur gegen den Wahn, daß sich die Preise für Boden unmäßig steigern lassen. Wenn die Käufer von Boden sich weigern würden, Phantasiepreise zu zahlen, so würde der Ueberspekulation begegnet werden. Diese Aufklärungs« arbeit müßten die Stadtgemeinde Tel-Aviv und die Jewish Agency besorgen, die leider heute keine anderen Mittel haben, den Auswüchsen zu steuern. Auch in der Pflanzungszone zeigt sich ein sprunghaftes Ansteigen der Bodenpreise angesichts der verstärkten Nachfrage. Es sind manche Fälle bekannt, wo die Steigerung gleichfalls 50 Prozent und mehr beträgt. Bei den Pflanzungen spielt der Bodenpreis innerhalb der Gesamtkosten gewiß keine entscheidende Rolle. Dennoch drückt das Hinauftreiben der Preise nicht nuy die zu erwartende Rentabilität, sondern das allgemeine Niveau der Bodenpreis« im Lande wird dadurch künstlich gesteigert, was für unsere weitere Kolonisationsarbeit natürlich sehr nachträglich wäre. Dies muß wohl nilcht näher ausgeführt werden. Der Keren Kajemeth verhandelt schon lange wegen Kaufes von weiteren Pflanzungsböden, unjd es besteht die Gefahr, daß die Preise gesteigert werden und die' Fläche, die mit einem bestimmtem Betrag erworben werden kann, viel kleiner sein wird, als sie zu 'den bisherigen Preisen gewesen wäre. Auch bezüglich der Pflanzungsböden gilt es, die Käufer vor Bewilligung von Phantasiepreisen zu warnen. Dies um so mehr, als niemand heute sagen kann, ob die gute Rentabilität des Or.angenbaus unverändert durch Jahre andauern wird. Dies hängt von. soviel unberechenbaren und unvorhersehbaren Faktoren, günstigen und ungünstigen a'b, daß man auch den Pflanzern anratenj muß, die Anlagekosten, wie es jeder vorsichtige Kaufmann tut, von vornherein auf das mindestmögliche Maß zu drücken, und sich nicht einem Konjunkturtaumel hinzugeben, bei dem eine vernünftige Kalkulation vergessen wird unid ein ^Wert-Wahn" entsteht, dessen Folgen, wie es ja jetzt die ganze Welt erlebt, von jedem, auch von dem, der an dem Treiben unbeteiligt ist, aufs schmerzlichste empfunden werden. In dem berühmten Wiener Ofenheim-Prozeß (vor 50 Jahren) sagte der Angeklagte: „Mit Sittensprüchlein baut man keine Eisenbahnen." Die Anklagen, die manche palästinensischen Blätter gegen die Spekulation erheben, werden wh> kungslos verhallen. Ebenso undurchführbar ist die verlangte Kreditsperre für Bodenaufkäufer. Nur zwei Wege gibt es heute, ihr entgegenzuarbeiten: Der