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Palästina · 1932-12-01 · Heft 12 (Dezember 1932) · p. Seite 406

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Journal
Palästina
Volume
15 (1932)
Issue
Heft 12 (Dezember 1932)
Article
Konjunktur und Keren Kajemeth
Date
1932-12-01
Page
Seite 406 (sequence 1)
Language
German
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406 Konjunktur und Keren Kajemeth. Von Adolf Bahm, Wien. Vorb. d. Red. Der Anfang dieses Artikels wurde in der „Jüdischen Rundschau", Nr. 94, abgedruckt. Der Zustrom von jüdischem Kapital nach Palästina hält unvermindert an. Im Monat September wanderten 111 Personen mit einem Mindestkapital von je tausend Pfund ein. In den Banken liegen sehr große Summen, Millionen Pfunde, brach, deren Eigentümer nach Anlage suchen. Diese wird gefunden in Pflanzungen, städtischen Bauten und Iridustrie. Während in letztere nur ein bescheidener Teil der einströmenden Gelder fließt, ist in Bauten und Pflanzungen eine Konjunktur eingetreten, welche zum Teile schon an diejenige von 1925 erinnert, die sich bekanntlich sehr unheilvoll ausgewirkt hat. Die Bodenpreise steigen in einem beängstigenden Tempo. „Mischar we Taassjah", Nr. 12/13, berichtet, daß in Tel-Aviv infolge der Tätigkeit der Makler und Aufkäufer Steigerungen bis 50 Prozent zu verzeichnen sind. „Boustn'ai", Nr. 28, schreibt, daß einige jüdische Arbeiterorganisationen mit den Bodenbesitzern in Tel-Aviv verhandelten, zum Zweck des Baues eines neuen Viertels. Da "kamen Bodenmakler dazwischen und boten zweifache Preise und darüber für den Boden. (Siehe „Nachrichten und Daten": Tel-Aviv.) Solche Fälle lassen sich beliebig vermehren. Leider steht die Gesamtheit diesem Treiben ziemlich ohnmächtig gegenüber. Die bekannten Mittel einer städtischen Bodenpolitik: Konzentrierung einer großen Bodenfläche in den Händen der Verwaltung, richtige Verkehrs- und Steuerpolitik (Wertzuwachssteuer) usw. können teils angesichts des Mangels an Budgetüberschüssen der Gemeinde, teils aus anderen Grünlden derzeit nicht helfen. Der KKL., der die städtische Bodenpolitik nicht mehr nur in seinem Programm hat, sondern sie in den letzten Jahren auch in großzügiger Weise betrieb, — siehe den Kauf der Haifabay-Böden, des Bodens für das Nordviertel von Tel-Aviv u. a. m. — ist jetzt durch den Rückgang der Einnahmen und der in diesem Jahre starken Belastung für Rückzahlung von Kaufshypotheken finanziell nicht in der Lage, ohne Erschließung neuer, besonderer Einnahmequellen städtischen Boden zu kaufen, um so mehr, als er auch wegen verschiedener ländlicher Terrains zur Arrondierung seines Besitzes in Kauf Verhandlungen steht. Jedenfalls sollte die Erinnerung an die Krise von 1925 und die jahrelang^ schwere Depression, die auf sie folgte, für die Käufer selbst, die für die Böden unangemessene Liebhaberpreise zahlen, eine ernste Warnung sein. Die Steigerung der Preise für Neukäufe erhölht auch automatisch für den Moment den Wert der schon bebauten Terrains, d.h. unweigerlich folgt eine Steigerung der Mieten mit ihrer Verteuerung des ganzen Lebensstandards, der Arbeitslöhne usw. So schließt sicji dann der Zirkel: die Kaufkraft der breiten Masse sinkt, der Absatz stockt, die Preise und Mieten fallen usw. Je teurer jemand Boden gekauft und bebaut hat, desto mehr wird er daran verliejren. Schon an urid für sich wird das Treiben der Preise durch die bestehende Kapitalsinflation im Lande, die in der Richtung einer Verteuerung wirkt, begünstigt, was sich nur deshalb noch nicht sichtbar auswirkt, weil das Pfund gefallen ist und auf einige Zeit eine Marge gegenüber den Goldländern besteht; die Spekulation, die hinzutritt, bringt die Preise auf ein unhaltbares Niveau.

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