Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1932)
- Article
- Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 363 (sequence 5)
- Language
- German
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- Tunis 1× ep/1048155
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lieh zum „Erbfeind" gestempelt, und die JA. sieht seit Jahren diesem Prozesse untätig und man muß schon sagen: sorglos zu-. Auch wenn es heute gelingt, durch starke Militär- und Polizeikräfte in Palästina Rujhe zu halten, ein solcher Haß ist ein politischer Faktor allerbedenklichster Art. Die Fluten dieses Judenhasses dringen allmählich in alle arabischen Länder, wofür die letzten antih jüdischen Ausschreitungen in Tunis ein warnendes Signal waren. Seit dem von den Arabern geschickt inszenierten, von den Juden töricht aufgegriffenen Klagemauer-Konflikt, blicken die Moslems aller Länder mißtrauisch nach Palästina. In letzter Zeit ist auch die politische Tätigkeit der Araber in Palästina verstärkt worden, wie die Gründung der ,,Istiklal"(Unabhängigkeits-) Partei und ihres Organs in Palästina beweist. Zwischen den arabischen Ländern werden lebhaft Fäden gesponnen, unfd in diesen Tagen wurde die feierliche Unabhängigkeitserklärung des Königreiches Irak und seine Aufnahme in den Völkerbund vollzogen. Wenn es den Arabern wirklich gelingt, ihre Kräfte zu vereinigen, was offenbar das Ziel ihrer Nationalisten ist, dann wird den Juden ein sehr mächtiger Gegner gegenüberstehen. Und an Versuchen, die jüdische Sache in diese Neuordnung des Nahen Orients einzugliedern, fehlt es vollständig; es ist freilich ein sehr schwieulgjes Beginnen, aber die dringliq(hste Aufgabe der jüdischen Palästina-Politik, über die man sich mit billigen Redensarten nicht hinwegtäuschen sollte. Nur ein Teilproblem dieses Komplexes scheint bei der Londoner Sitzung eine Rolle gespielt zu haben: die Frage der Erweiterung der jüdischen Siedlung nach Transjordanien. Von mehreren Seiten wurde diese Ange- \egenheit aufgegriffen, aber die laut proklamierten Forderungen werden schwerlich den angestrebten Zweck erreichen, da sie nur neue politische Hindernisse ■•schaffen. Transjordanien könnte bei seiner heutigen Verelendung den wirtschaftlichen Nutzen jüdischer Mitarbeit wohl brauchen, aber es ist hier ähn- Iich wie in manchen Fragen der europäischen Politik, das wirtschaftliclie Vernünftige wird durch die Leidenschaften der Politik durchkreuzt. Und selbst wenn manche glauben, daß trotz allen Widerständen eine „Eroberung Transjordaniens" möglich wäre, so glauben wir, daß die Imponderabilien der Beziehungen zwischen Juden und Arabern von so großer Wichtigkeit für die Zukunft sind, daß man an diese Sache nur mit größter Delikatesse herangehen <(ürfte. Von diesem Gesichtspunkte aus können die dieser Frage gewidmeten Londoner Reden nur als höchst unzweckmäßig bezeichnet werden. Man muß *chon die Frage Transjordaniens als einen Teil des gesamt arabischen Problems, ja des Nea^r East->Pfroblems überhaupt erkennen, wenn man hier weiterkommen will. Die Verfassung der Jewish Agency unterlag in London einer scharfen Kritik; man beschuldigte die Nichtzionisten des Versagens, so daß sie auf die ihnen ursprünglich zugestandenen 50 Prozent der Stimmen keinen Anspruch mehr hätten. Die Frage der Reform wurde schließlich einer Kommission zur Vorbereitung für die nächste Sitzung übertragen. Die Zusammenarbeit zwischen Zionisten und Nichtzionisten gestaltete sich im Uebrigen reibungslos, bei vielen Abstimmungen im Administative-Committee stimmten Zionisten und Nichtzionisten keineswegs als getrennte Lager, sondern durcheinander. Die Zionistische Organisation hat noch ein organisatorisches Spezialproblem zu lösen, indem die Revisionisten, die der Agenoy gar nicht angehören, sich eine einzigartige Sonderstellung zurechtgelegt haben: Sie wollen in ihrer