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Palästina · 1932-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1932) · p. Seite 362

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Journal
Palästina
Volume
15 (1932)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1932)
Article
Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
Date
1932-10-01
Page
Seite 362 (sequence 4)
Language
German
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late, ja nicht einmal die Versprechungen des Macidonald-Briefes erfüllt sind, kann man sagen, daß die Juden beim Oberkommissär ein offenes Ohr finden. Die Politik der Exekutive, so betonte Dr. Brodetsky, besteht darin, die schwere Kleinarbeit fortzusetzen und die Mandatarmacht für den jüdischen Standpunkt immer mehr zu gewinnen. Dagegen lehnt die Exekutive die abenteuerlichen Pläne einer Revolte gegen England, die jetzt wohl nur noch von den Revisionisten und einigen Amerikanern propagiert werden, entschieden ab. Die JA. hat mit der Mandatsführung Englands als unabänderlicher Tatsache zu rechnen. Als letztes Vermäcjhtnis der Passfield-Periode ist der Bericht des Bodensachverständigen Lewis French zu betrachten, der der Regierung vorliegt und bereits der JA. zur Aeußerung übergeben würde. Das Dokument wird auf Wunsch der Regierung als geheim behandelt, da die Veröffentlichung erst zusammen mit der Stellungnahme der Regierung erfolgen soll. Da aber die Regierung bisher mit anderen Dingen, z. B. der Reichskonferenz in Ottawa, beschäftigt war, konnte diese Sache noch nicht von ihr behandelt werden. Soviel man erfährt, spricht sich French in dem Bericht gegen eine Ausdehnung der jüdischen Siedlungstätigkeit aus, macht aber andererseits so weitgehende und kostspielige Projekte einer Innenkoloinisation der Araber, daß an eine Durchführung seines Berichtes schon aus diesem Grunde nicht zu denken ist. Der Fre.nch-Bericht wird allgemein als weltfremdes, unpraktikables Dokument bezeichnet, upd er ignoriert anscheinend völlig die durch die jüdische Tätigkeit sich fortgesetzt vollziehende Ei^- weiterung der Wirtschaftskapazität des Landes. Der vom jüdischen Standpunkt wichtigste Teil des Berichtes ist die Feststellung, daß die Ziffer dei* nachweislich durch jüdischen Bodenerwerb dislozierten Araber („displaced Arabs") nur 249 beträgt, während bekanntlich im Simpson-Bericht die Zahl der „landless Arabs", die dann ungerechterweise von der öffentlichen Meinug auf jüdisches Konto gesetzt wurden, mit 29.4 Prozent der Bevölkerung, also fast ein Drittel aller ländlichen Araber, angegeben wurde, ein Faktum, aus dem die antizionistische Propaganda ihre wirksamsten moralischen Argumente geschöpft hat. Dieser Mißbrauch von Simpsons Bericht ist durch die exakte, juristisch gestützte Untersuchung Frenchs widerlegt. Die Londoner Sitzung hat einmütig beschlossen, das Gutachten F r e n cjh s abzulehnen. Die JA. wird eine eingehend motivierte Entgegnung der Regierung überreichen. Was die Politik gegenüber den Arabern betrifft, so hat die Sitzung wenig Positives ergeben. Manche Redner, auch solche, die es früher nicht taten, betonten zwar die Wichtigkeit eines besseren Verhältnisses zu den Arabern, aber dies verdichtete sich nicht zu praktischen Vorschlägen oder Maßnahmen. Die Politik der Exekutive hat Dr. Brodetsky dahin zusammengefaßt, man müsse die Araber Palästinas überzeugen, daß das Jüdiscjhe Nationalheim auch ihnen zum Segen gereicht, und die jüdische diplomatische Tätigkeit in den arabischen Ländern verstärken. Beides hören wir schon lange, ohne daß in dieser Richtung etwas Konkretes geschähe. Aber abgesehen davon — auf eine so einfache Formel läßt sich das politische Problem Juden—Araber nicht mehr bringen. Dazu ist die nationale Bewegung und das politische Bewußtsein bei den Arabern schon zu stark vorgeschritten^ und befestigt sich immer mehr in einem ausgesprochen antijüdischen Sinne. Für die Araber werdein die Juden allmäh-

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