Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1932)
- Article
- Der Stand der arabisch-jüdischen Frage
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 358 (sequence 4)
- Language
- German
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Ziehungsaufgaben durchzuführen, wie etwa in arabische Getreidegebiete jüdische Instruktoren zu senden, die dort die Elemente der gemischten Wirtschaft einführen helfen, jüdische Beamte zur Gründung arabischer Genossenschaften zur Verfügung zu stellen usw. (Vgl. den Aufsatz unseres Herausgebers in Nr. 8/9. — Die Red.) Der Umfang dieser Aufgabe wäre in den Gebieten starker jüdischer Siedlungstätigkeit, deren Einfluß automatisch eine Verbesserung auch der arabischen Betriebsmethoden bewirkt, wesentlich beschränkter, so daß es sich also in erster Linie um Gebirgsgegenden und Getreideetooneri handeln würde. Aber die Notwendigkeit ejner solchen Verständigung selbst auf dem Gebiete elementarer wirtschaftspolitischer Zusammenarbeit ist von jüdischer Seite noch nicht erkannt oder zugegeben. So besteht trotz aller Verflechtung im einzelnen eine arabische und jüdische Wirtschaftssphäre nach wie vor getrennt weiter, ja prägen sich die verschiedenen Lebensniveaus noch stärker aus wie schon früher. Die Haltung der englischen Regierung ist, wie schon angedeutet, nach wie vor abwartend. Sie war vor allem passiv in de|r Frage einer zielbewußten Agrarpolitik und hat erst in allerletzter Zeit durch Steuererlässe, Errichtung von Versuchsstationen usw. einige schwache Ansätze zur Förderung des Fellachenstandes unternommen. Im allgemeinen liegt es der englisdhen Politik, die an die Eigenmacht und Eigenkmft des Individuums glaubt, nicht, durch Interventionen den natürlichen Ablauf der wirtschaftlichen Gesetze zu reguL lieren. Sie versucht vielmehr, durch weitgehende Verleihung von Selbstverwaltungsrechten die eigene Initiative der Regierten audh in wirtschaftliche^ Hinsicht zu fördern. Es scheint, daß vom Colonial Office aus unter diesem Gesichtspunkte die Frage der Selbstverwaltung in Palästina neuerdings aufgerollt wird. Ein Aufsatz im Londoner „Near East and India", der dem Colonial Office nahesteht und auffallenSderweise in der jüdisdhen Presse kaum beachtet wurde, läßt jedenfalls deutliche Anzeichen einer solchen Orientierung durchblicken. Die Hauptstellen dieses Aufsatzes verdienen hier wiederholt zu werden. Es heißt dort, nachdem im Anschluß an eine Aeußerung Sokolows die Frage der zukünftigen Form des Palästina-Mandats angeschnitten wird, etwa: „Die Vorstellung, daß das Mandat früher oder später einem britischen Protektorat weichen müsse, verrate, abgesehen von allem anderen, geringe Kenntnis vom Gange internationaler Angelegenheiten. Auch ein britisches Protektorat würde nur einen Rahmen darstellen, während das Bild auf der Leinwand selbst noch auszuführen wäre. In der nächsten Woche (der Aufsatz erschien am 22. September) wird Irak die Stellung eines unabhängigen Staates erreicht haben. Man glaubt allgemein, daß Syrien diesem Beispiel zu gegebener Zeit folgen wird. Was wird die Rückwirkung auf diese Entwicklung in Palästina sein?... Unter dem Mandat hat die britische Regierung zwei Verpflichtungen zu erfüllen: Die Errichtung des jüdischen Nationalheims zu erleichtern und repräsentative Regierungseinridhtungen zu gründen. Die permanente Mandatskommission hat bereits darauf aufmerksam gemacht, daß diese beiden Verpflichtungen von gleicher Kraft sind und keine an Wichtigkeit der anderen nachsteht. Sie hat ferner auf die Unterlassung jeglicher definitiver Schritte seitens Englands, eine repräsentative Regierung einzuführen hingewiesen.___ Die Zeit scheint daher gekommen, zu erwägen, ob ein Regime, das für die Erreichung eines heute als unerreichbar erkannten Zieles (d. h. eines Judenstaates oder eines rein arabischen Staates — Vfr.)